ob (Deutsch)Bearbeiten

SubjunktionBearbeiten

Anmerkung:

Die in den Kontextangaben der 2. und 3. Bedeutung genannten einräumenden Adverbien auch, gleich, schon, wohl, zwar sowie die in der 4. Bedeutung genannte Konjunktion oder wurden in den jeweiligen Beispielsätzen konsequent ebenfalls kursiv gesetzt.

Worttrennung:

ob

Aussprache:

IPA: [ɔp]
Hörbeispiele:   ob (Info),   ob (Info)
Reime: -ɔp
IPA: in Bayern und Österreich auch: [oːp][1][2]
Hörbeispiele:
Reime: -oːp

Bedeutungen:

[1] leitet indirekte Fragesätze sowie Ungewissheit, Zweifel oder dergleichen ausdrückende Nebensätze ein (in Form von Subjekt-, Objekt- und Attributsätzen)
[2] veraltend bis veraltet; konditional, zumeist in Verbindung mit nachfolgend verstärkendem »auch«: auch / selbst / sogar unter der Bedingung, Voraussetzung, dass… ; auch / selbst / sogar für den Fall, dass…
[3] veraltend bis veraltet; konzessiv, zumeist in Verbindung mit nachfolgend verstärkendem »auch«, »gleich«, »schon«, »wohl«, »zwar«: ungeachtet der Tatsache, dass… ; wenn auch…
[4] in Verbindung mit »oder«: verbindet in der Regel zwei, seltener auch mehr als zwei Möglichkeiten, die für das Hauptgeschehen jedoch belanglos sind – im Sinne von: kann, mag sein (dass) … oder (dass), sei es (dass) … sei es (dass), sei es (dass) … oder (dass)
[5] als Wortpaar: es gehe, handele sich um … oder um, sei es … sei es, sei es … oder

Herkunft:

Die Konjunktion geht über die mittelhochdeutschen Formen ob → gmh, obe → gmh und op → gmh (frühmittelhochdeutsch auch ube → gmh) ‚ob; wenn (auch)‘ auf die seit dem 8. Jahrhundert bezeugte althochdeutsche Form ibu → goh sowie auf spätere (entweder durch Veränderung und Umstellung der Vokale oder auf einer anderen Grundform beruhenden) Varianten wie ibi → goh, ubi → goh, ube → goh und oba → goh zurück.[3] All diese Formen lassen sich etymologisch vergleichen mit altsächsischem ef → osx und of → osx, mittelniederdeutschem of → gml, ef → gml sowie (durch Vermischung mit den mittelniederdeutschen Formen für oder) oft → gml / ofte → gml und eft → gml / efte → gml ‚ob; wenn‘, altniederfränkischem of → odtwenn‘, mittelniederländischem of → dum und jof → dum ‚ob; wenn (auch)‘, niederländischem of → nl ‚ob; als‘, altfriesischem ief → ofs / ef → ofs, gef → ofs, iof → ofs / of → ofs und ieft → ofswenn‘, altenglischem gif → ang, englischem if → en ‚ob; wenn (auch)‘, altnordischem ef → non und if → nonwenn‘ sowie gotischem 𐌹𐌱𐌰𐌹 (ibai) → got, 𐌹𐌱𐌰 (iba) → got ‚ob denn, etwa, wohl, dass nicht‘.[3]
Die im Germanischen bezeugten Verwendungen scheinen auf eine den Zustand der Ungewissheit kennzeichnenden Partikel schließen zu lassen, deren Herleitung jedoch unklar bleibt.[3] Der Wortanfang lässt wahrscheinlich den (erschlossenen) indoeuropäischen Pronominalstamm *e-, *i- (mit ursprünglich demonstrativer Funktion; siehe er, es) erkennen, doch weisen die westgermanischen Formen mit j-, i- und g-Anlaut, die gotischem 𐌾𐌰𐌱𐌰𐌹 (jabai) → gotwenn‘ entsprechen, auf Einflüsse des (erschlossenen) indoeuropäischen Relativstamms *i̯o-.[3] Der zweite, mit einem Labial beginnende Wortteil könnte wie enklitisches gotisches 𐌱𐌰 (ba) → gotwenn‘ zu awestischem 𐬠𐬁 (bā) → aefürwahr‘, altgriechischem φή (phē) → grc / φῆ (phē) → grcwie, gleichwie‘, armenischem բա (DIN 32706: ba) → hy und բաի (DIN 32706: bai) → hygewiss, freilich‘, altslawischem бѡ (bo) → cudenn; nun; also‘ und litauischem ba → lvdenn, ja‘ gestellt und an die (erschlossene) indoeuropäische Beteuerungs- und Hervorhebungspartikel *bhē̌, *bhō̌ angeschlossen werden, falls nicht (erschlossenes) indoeuropäisches *bhō(u)beide‘ (zweites Glied von indoeuropäischem *ambhō(u); siehe beide) zugrunde liegt.[3]
Im Deutschen eröffnet die Konjunktion seit den frühesten Zeugnissen abhängige Fragesätze, mit denen Zweifel an der Wahrheit eines Sachverhalts oder Streben nach Gewissheit zum Ausdruck gebracht werden; dabei wird (schon im Mittelhochdeutschen) der regierende Satz gelegentlich erspart, so vor allem bei verwundertem Wiederholen des Wortlauts einer absurden Frage (Ob ich diese Stadt kenne? Ich bin ja dort aufgewachsen.), woraus sich wiederum umgangssprachliches und ob als nachdrückliche Bejahung einer Entscheidungsfrage erklärt.[3] Konditionaler Gebrauch ist im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen üblich, seit frühneuhochdeutscher Zeit wird ob jedoch in diesem Sinne zunehmend durch wenn verdrängt und begegnet im 18., 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert nur noch vereinzelt; es bleibt lebendig in der mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen Verbindung als ob ‚wie wenn‘ (bei angenommenem Vergleich, wo im Mittelhochdeutsch ob → gmh / obe → gmh beziehungsweise als → gmh / alsō → gmh auch allein stehen kann).[3] In den ältesten deutschen Sprachstufen ermöglicht die Konjunktion außerdem den Anschluss von Konzessivsätzen; später tritt häufig ein die Einräumung verdeutlichendes Adverb hinzu, das im Neuhochdeutschen mit ob zusammenwächst und allenfalls in feierlich-altertümlicher Rede noch abgetrennt wird.[3] Daher die zusammengesetzten Konjunktionen obwohl (17. Jahrhundert), älter obwoln, ob wol (16. Jahrhundert), ob(e) … wol(e) (15. Jahrhundert); obgleich (16. Jahrhundert), bis ins 18. Jahrhundert daneben ob gleich, ob … gleich (16. Jahrhundert); obschon (16. Jahrhundert), bis ins 18. Jahrhundert auch ob schon (16. Jahrhundert), ob … schon (15. Jahrhundert), mittelhochdeutsch (vereinzelt) obe schōne → gmh; obzwar (Ende des 18. Jahrhunderts), zuvor ob zwar (17. Jahrhundert), ob … zwar (16. Jahrhundert).[3]

Synonyme:

[3] obgleich, obschon, obwohl, obzwar

Beispiele:

[1] Fragesatz: Er wollte wissen, ob wir einen Hund besitzen.
[1] Subjektsatz: Ob er kommt, ist unklar.
[1] Objektsatz: Sie fragte sich, ob er sie noch kennt.
[1] Attributsatz: Die Ungewissheit, ob sie jemals wieder vollständig genesen wird, beunruhigte uns.
[1] „Oft aber auch machte der Wein sie müde und verzweifelt, und dann kämpfte sie einen verschieden ausgehenden Kampf, ob sie bleiben und unter seinen Augen leiden oder sich zurückziehen und in der Einsamkeit um ihn weinen sollte.“[4]
[1] „Der Präsident kommt nie nach halb neun. Ob du ihn mal anrufst?“[5]
[2] „Noch liebte Chiano Concita, ob er schon anfing, sie zu hassen, Concita liebte Chiano nicht mehr, ob sie noch davor bangte, ihn zu verlieren.“[6]
[2] „Soldaten sind sie wieder, die nichts mehr kennen als blinden Gehorsam, ob er auch in den Tod führt.“[7]
[3] „Aber dieſe Form zu beſtimmen darf darum nicht ſofort als ein Geſchaͤft des goͤttlichen Geſetzgebers angeſehen werden, vielmehr kann man mit Grunde annehmen, der goͤttliche Wille ſey: daß wir die Vernunftidee eines ſolchen gemeinen Weſens ſelbſt ausfuͤhren, und ob die Menſchen zwar manche Form einer Kirche mit ungluͤcklichem Erfolg verſucht haben moͤchten, ſie dennoch nicht aufhoͤren ſollen, noͤthigenfalls durch neue Verſuche, welche die Fehler der vorigen beſtmoͤglichſt vermeiden, dieſem Zwecke nachzuſtreben; indem dieſes Geſchaͤft, welches zugleich für ſie Pflicht iſt, gaͤnzlich ihnen ſelbſt uͤberlaſſen ist.“[8]
[3]  „Ob der Liebe Luſt auch flieht,
Ihre Pein doch nie verglüht.“[9]
[3] „Sie ließ ſich nicht einſchüchtern, ſie aß, ob es auch nicht anſchlug und ob man ſie verſpottete, mit dem inſtinktmäßig ausbeutenden Appetit der armen Verwandten am reichen Freitiſche, lächelte unempfindlich und bedeckte ihren Teller mit guten Dingen, geduldig, zäh, hungrig und mager.“[10]
[3] „Und ob er gleich um fremdes Gut jahrelang stritt, sein Begehren griff nicht nach Frieden des Gewinns, sondern sehnte sich aus der Seele hinaus; in den Stirnen saß die Gewalt der Catene, bloß kamen stumme Taten aus den Stirnen.“[11]
[3] „Noch liebte Chiano Concita, ob er schon anfing, sie zu hassen, Concita liebte Chiano nicht mehr, ob sie noch davor bangte, ihn zu verlieren.“[12]
[4] „Nun, ob man meinen Zustand nun Liebe nennen oder ihn mit irgendeinem neumodischeren Ausdruck bezeichnen will, so mit irgendetwas aus der Psychologie, in jedem Falle hatte Jerome sich alle meine Gedanken untertan gemacht.“[13]
[4] «Der Vorschlag bedroht mich, Polizeiwachtmeister, ob die Dame nun verrückt ist oder nicht.»[14]
[4] „Kann ein Mensch, ob ehrlich, oder Spitzbube, in Blumenau etwas unternehmen, ohne daß sich Volkspolizist Marten einmischt?“[15]
[4] „Ich will es genug sein lassen mit meinem Großvater, ob er sich nun polnisch Goljaczek, kaschubisch Koljaiczek oder amerikanisch Joe Colchic nannte.“[16]
[4] „Aber ob Gläubige oder Ungläubige, sie waren alle Verwirrte.“[17]
[4] „Ob er zuhörte oder sprach, er strahlte.“[18]
[5] „Sie gab die Stellung in der Transportkaserne auf, zog in ein anderes Haus, wo andere Mädchen mit anderen Männern verkehrten, lebte mit Washington zusammen, war ihm treu, obwohl sich ihr nun viele, ja ungezählte Gelegenheiten zum Beischlaf ergaben, denn jedermann, ob Schwarz ob Weiß, Deutscher oder Ausländer, glaubte nun, da sie mit Washington zusammenlebte, […].“[19]
[5] „Ob Gitter-, ob Lattenzäune – für einen Sägemüller hängt Geld drin.“[20]
[5] „Es soll ein neuer Ort staatsbürgerlichen Selbstbewusstseins werden, an dem an die besten Seiten unserer Verfassung erinnert und gemahnt wird: an die Würde und Freiheit jedes Menschen in unserem Staat, ob deutscher, ob nichtdeutscher Herkunft.“[21]

Redewendungen:

umgangssprachlich: als ob [Antwortpartikel]
umgangssprachlich: und ob [Antwortpartikel, Interjektion]

Wortbildungen:

als ob [Subjunktion]

ÜbersetzungenBearbeiten

[1, 3–5] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „ob¹
[1, 4, 5] The Free Dictionary „ob
[1, 2, 4, 5] Duden online „ob
[1, 2] wissen.de – Wörterbuch „ob¹
[1, 4] PONS – Deutsche Rechtschreibung „ob
[1, 2, 4, 5] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »¹ob«.
[1, 2, 4, 5] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »¹ob«, Seite 1300.
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalob
[1–5] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „ob
[1] Angelika Wöllstein und Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Band 4, Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04049-0, Seite 637, Randnummer 942 (Google Books).

Quellen:

  1. Duden online „ob
  2. ÖBV im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und Kulturelle Angelegenheiten (Herausgeber): Österreichisches Wörterbuch. Neubearbeitung auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks. Schulausgabe – 38. neubearbeitete Auflage. ÖBV, Pädag. Verl., Wien 1997, ISBN 3-215-07910-0 (Bearbeitung: Otto Back et al.; Red.: Herbert Fussy).
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „ob²
  4. Thomas Mann: Die Betrogene. Erzählung. 16.–20. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1954, Seite 55 (Erstveröffentlichung 1953).
  5. Manfred Bieler: Der Mädchenkrieg. Roman. Hoffmann & Campe, Hamburg 1975, ISBN 3-455-00351-6, Seite 433.
  6. Annette Kolb: Die Schaukel. S. Fischer, Berlin 1934, Seite 107 (Zitiert nach Google Books).
  7. Georg Kaiser: Villa Aurea. Roman. Kessler Verlag, Mannheim 1952, Seite 27 (Erstausgabe im Querido-Verlag, Amsterdam 1940).
  8. Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. 1. Auflage. [B]ey Friedrich Ricolovius, Koͤnigsberg 1793, Seite 141–142 (Zitiert nach Google Books).
  9. Friedrich Schiller: Elegie an Emma. In: Derselbe (Herausgeber): Muſen-Almanach für das Jahr 1798. 1. Auflage. [I]n der J. G. Cottaſchen Buchhandlung, Tübingen 1798, Seite 116 (Zitiert nach Digitalisat der HAAB).
  10. Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman. S. Fischer, Berlin 1906, Seite 40 (Zitiert nach Google Books; Erstveröffentlichung 1901).
  11. Robert Musil: Drei Frauen. Novellen. Rowohlt, Berlin 1924, Seite 67 (Zitiert nach Google Books).
  12. Annette Kolb: Die Schaukel. S. Fischer, Berlin 1934, Seite 107 (Zitiert nach Google Books).
  13. Werner Bergengruen: Das Tempelchen. Erzählung. 2. Auflage. Im Verlag der Arche, Zürich 1950, Seite 31 (Zitiert nach Google Books).
  14. Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie. Verlag der Arche, Zürich 1956, Seite 47 (Zitiert nach Google Books).
    Die Kursivsetzung im Originalsatz von »mich« wurde nicht übernommen.
  15. Erwin Strittmatter: Ole Bienkopp. Roman. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1963, Seite 306 (Lizenz des Aufbau-Verlag, Berlin; Ausgabe für die BRD).
  16. Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. 323.–372. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 28 (Erstausgabe 1962).
  17. Alfred Andersch: Die Kirschen der Freiheit. Ein Bericht. Unveränderte Neuausgabe, 1.–6. Tausend, Diogenes Verlag, Zürich 1971 (Diogenes-Taschenbuch ; 1), Seite 104 (Erstveröffentlichung in der Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1952).
  18. Martin Walser: Brandung. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-03570-3, Seite 73.
  19. Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras [1951]. In: Drei Romane. Tauben im Gras, Das Treibhaus, Der Tod in Rom. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972, Seite 48 (Zitiert nach Google Books).
  20. Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. 323.–372. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 12 (Erstausgabe 1962).
  21. Rita Süssmuth: Einigkeit und Recht und Kaiser Wilhelm. In: taz.die tageszeitung. Nummer 6118, 13. April 2000, ISSN 1434-4459, Seite 19 (taz Print Archiv-URL, abgerufen am 7. Juli 2021).


PräpositionBearbeiten

Anmerkung zur geografischen Verteilung, zum Register, zur Frequenz und Rektion:

[1] Dem Variantenwörterbuch (VWD) zufolge ist die Präposition in Deutschland und Österreich „veraltend“[1] beziehungsweise „selten und gehoben“[2]; in der Schweiz ist sie noch lebendig, regiert jedoch selten den Dativ.[1][2] Die Rektion des Dativs sei der 1. Auflage des VWD zufolge in Österreich noch mundartlich lebendig.[1] Laut Duden ist sie [in Deutschland?, gemeindeutsch?] „gehoben veraltet“, wobei sie den Dativ selten regiert.[3]
[2] Laut dem VWD ist die Präposition in dieser Bedeutung in der Schweiz noch lebendig, ansonsten kommt sie gemeindeutsch nur noch in historischen und geografischen Bezeichnungen vor (zum Beispiel: Land ob der Enns für ‚Oberösterreich‘, Goldwil ob dem Wald, Rothenburg ob der Tauber, St. Peter ob Radenthein).[1][2] Dem Duden zufolge ist sie in der Schweiz noch selten gebräuchlich, in den anderen deutschsprachigen Regionen veraltet.[3]

Worttrennung:

ob

Aussprache:

IPA: [ɔp]
Hörbeispiele:   ob (Info),   ob (Info)
Reime: -ɔp
IPA: in Bayern und Österreich auch: [oːp][3][4]
Hörbeispiele:
Reime: -oːp

Bedeutungen:

[1] kausal; mit Genitiv sowie zumeist selten mit Dativ: begründet, veranlasst durch
[2] lokal; mit Dativ: weiter oben (als das Vergleichsobjekt) befindlich
[3] temporal; veraltet: drückt aus, dass ein Vorgang gleichzeitig zu einem anderen abläuft

Herkunft:

Die Präposition geht über die mittelhochdeutschen Formen ob → gmh und obe → gmh auf das seit dem 8. Jahrhundert bezeugte althochdeutsche oba → goh zurück, das als Adverboben, oberhalb‘ und als Präpositionüber, oberhalb von‘ bedeutet.[5] Diese Form geht wie altenglisches ufe- → ang (zum Beispiel in ufeweard → angAdjektiv: aufwärts gerichtet, ansteigend, höher; später; Substantiv: Oberteil, Außenseite‘), altnordisches of → nonPräposition, Adverb: auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen‘, gotisches 𐌿𐍆 (uf) → gotPräposition: unter‘, altgriechisches ὑπό (hypo) → grcPräposition: unter‘ und ὕπο (hypo) → grcAdverb: unten‘ sowie lateinisches sub → laPräposition: unter‘ auf die (erschlossenen) indoeuropäischen Wurzelformen *upo, *up, *eup zurück, deren angenommene Bedeutung wohl ursprünglich ‚unten an etwas heran‘ lautete und sich später zu ‚(von unten) hinauf, über‘ entwickelte (siehe auch auf).[5]

Synonyme:

[1] auf Grund / aufgrund, wegen, über
[2] oberhalb, über
[2] Österreich: ober
[3] bei, über

Sinnverwandte Wörter:

[1] angesichts, dank, durch, hinsichtlich, im Hinblick auf / in Hinblick auf, in Anbetracht, infolge, kraft

Gegenwörter:

[2] nied / nid, unter, unterhalb

Beispiele:

[1] „Ob solch unmönchischen Verhaltens zur Rede gestellt, antwortete er, dies sei der beste Weg, des Menschen Herz zu studieren.“[6]
[1] „Ließ er sich zu einem Ausbruch hinreißen – egal, ob des Ärgers oder der Freude –, überfiel ihn danach meistens eine geradezu panische Schwermut.“[7]
[1] „Ob des erlittenen Schreckens nahm Frau Mondtraut Abstand davon, weiter hinaufzugehen.“[8]
[1] «Sonder krümmte sich ob des stechenden Schmerzes in seiner Seite.»[9]
[1] „Auch Janko Ferk, ein gediegener Autobahnbenützer mitteleuropäischen Zuschnitts, war kaum zu beruhigen ob des geschlichenen Tempos, das er eine Woche lang in seinem Mietauto schon auszuhalten gehabt hatte.“[10]
[1] „Diese waren auch nötig, vor allem wegen der Ratlosigkeit, die sich ob des zukünftigen Namens bei allen einstellte.“[11]
[2] «Wie eine einzige Gewitterdecke hing alles ob den Häuptern.»[12]
[2] «Und es schneit weiter; schneit und schneit, schneit den Schneepflug zu, welcher ob der Sägerei, in der Kurve vor der Brücke, übers Wegbord geraten ist; […] »[13]
[3] „Jhr habt ja immer das liebe Gebet uͤber alle Haͤuſſer hinausgeworffen, habt mir ſo manche Poſtill und Bibelbuch an den Kopf gejagt, wenn ihr mich ob dem Beten ertapptet —“[14]

ÜbersetzungenBearbeiten

[1, 2] Duden online „ob
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „ob²
[1] The Free Dictionary „ob
[1, 2] wissen.de – Wörterbuch „ob²
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „ob
[1–3] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »²ob«.
[1, 2] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Stichwort »ob«, Seite [536].
[1, 2] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2016, ISBN 978-3-11-024543-1, DNB 108083964X, Stichwort »ob«, Seite [506].
[1, 2] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »²ob«, Seite 1300.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Stichwort »ob«, Seite [536].
  2. 2,0 2,1 2,2 Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2016, ISBN 978-3-11-024543-1, DNB 108083964X, Stichwort »ob«, Seite [506].
  3. 3,0 3,1 3,2 Duden online „ob
  4. ÖBV im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und Kulturelle Angelegenheiten (Herausgeber): Österreichisches Wörterbuch. Neubearbeitung auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks. Schulausgabe – 38. neubearbeitete Auflage. ÖBV, Pädag. Verl., Wien 1997, ISBN 3-215-07910-0 (Bearbeitung: Otto Back et al.; Red.: Herbert Fussy).
  5. 5,0 5,1 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „ob¹
  6. Bodo Uhse: Tagebuch aus China. Aufbau Verlag, Berlin 1956, Seite 123.
  7. Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Novelle. 1.–25. Tausend, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-04269-6, Seite 80.
  8. Herbert Franke (Herausgeber): Djin Ping Meh. Ein Sittenroman aus der Ming-Zeit. Schlehenblüten in goldener Vase. Band 2, Ullstein, Berlin/Frankfurt am Main 1987 (übersetzt von Otto und Artur Kibat), ISBN 3-549-06673-2, Seite 284 (Chinesische Originalausgabe 1755).
  9. Felix Mettler: Der Keiler. Roman. 4. Auflage. Ammann Verlag, Zürich 1990, ISBN 3-250-10137-0, Seite 53 (Zitiert nach Google Books).
  10. Reinhard P. Gruber: Einmal Amerika und zurück. [1993]. In: Maximilian Droschl (Herausgeber): Werke. Band 8, Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2005, ISBN 3-85420-695-X, Seite 13–14 (Zitiert nach Google Books).
  11. Jan Josef Liefers: Soundtrack meiner Kindheit. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN 978-3-499-62592-3, Seite 88 (Erstauflage 2009).
  12. Heinrich Federer: Berge und Menschen. Roman. G. Grote, Berlin 1913, Seite 443 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe 1911).
  13. Reto Hänny: Schnee-Fuge. In: Christoph Siegrist (Herausgeber): Schweizer Erzählungen. Deutschschweizer Prosa seit 1950. Band 1, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, Seite 74 (Zitiert nach Google Books).
  14. [Friedrich Schiller]: Die Raͤuber. Ein Schauſpiel. 1. Auflage. [sine editio], Frankfurt und Leipzig 1781, Seite 199 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 1: hob


ob (Latein)Bearbeiten

PräpositionBearbeiten

Anmerkung zur Rektion:

Die Präposition konnte im Spätlatein auch den Ablativ regieren.[1]

Worttrennung:

ob

Bedeutungen:

[1] mit Akkusativ; lokal, bei Verben der Bewegung (auf die Frage »wohin?«): entgegen, gegen … hin, nach … hin, nach … zu, nach, gen
[2] mit Akkusativ; lokal, bei Verben der Ruhe (auf die Frage »wo?«): vor, gegenüber, über … hin, über
[3] mit Akkusativ; kausal, zur Bezeichnung des Zweckes, Zieles, der Ursache, Veranlassung: um … willen, wegen, aus
[4] mit Akkusativ; übertragen, zur Bezeichnung des Entgeltes: zum Entgelt für, gegen, für

Beispiele:

[1] ob Romam legiones ducere (Enn. ap. Paul.)[1]
[2] [I]mmo vero in superbissimo dominatu fuit; pertulit ipse custodiam, vidit in vinclis familiaris suos, mors ob oculos saepe versata est, nudus atque egens ad extremum fugit e regno.[2]
[3] Si, qui ob aliquod emolumentum suum cupidius aliquid dicere videntur, eis credi non convenit, credo maius emolumentum Caepionibus et Metellis propositum fuisse ex Q. Pompei damnatione, cum studiorum suorum obtrectatorem sustulissent, quam cunctae Galliae ex M. Fontei calamitate, in qua illa provincia prope suam immunitatem ac libertatem positam esse arbitratur.[3]
[4]  Ait se ob asinos ferre argentum atriensi Saureae,
viginti minas, sed eum sese non nosse hominem qui siet,
[…].[4]
„Er bringe, ſagt’ er, an den Hausvogt Saurea
Das Kaufgeld für die Eſel, zwanzig Minen, doch
Der Mann ſei ihm ganz unbekannt.“[5]

ÜbersetzungenBearbeiten

[1–4] Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8. Auflage. Hannover 1913 (Nachdruck Darmstadt 1998): „ob“ (Zeno.org)
[1–4] Charlton T. Lewis, Charles Short: A Latin Dictionary. Clarendon Press, Oxford 1879. Stichwort „ob“. (perseus.tufts.edu)
[1–4] PONS Latein-Deutsch, Stichwort: „ob
[1–3] dict.cc Latein-Deutsch, Stichwort: „ob
[1, 3] Albert Martin Latein-Deutsch, Stichwort: „ob

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Nach Charlton T. Lewis, Charles Short: A Latin Dictionary. Clarendon Press, Oxford 1879. Stichwort „ob“. (perseus.tufts.edu)
  2. Marcus Tullius Cicero: Pro C. Rabirio Postumo. In: Orationes. 54 v. d. Z. ⅩⅣ, [39] (Zitiert nach Lateinischer Wikisource-Quellentext „Pro C. Rabirio Postumo“).
  3. Marcus Tullius Cicero: Pro Marco Fonteio. In: Orationes. 69 v. d. Z., 21, [27] (Zitiert nach Lateinischer Wikisource-Quellentext „Pro Marco Fonteio“).
  4. Titus Maccius Plautus: Asinaria. www.thelatinlibrary.com, abgerufen am 7. Juli 2021.
  5. Wilhelm Binder: Titus Maccius Plautus Luſtſpiele. Achtes Bändchen: Das Eſelsſpiel. (Asinaria.), Hoffmann’ſche Verlags-Buchhandlung, Stuttgart 1867, Seite 35 (Zitiert nach Google Books).

ob (Tschechisch)Bearbeiten

PräpositionBearbeiten

Worttrennung:

ob

Aussprache:

IPA: [ɔp]
Hörbeispiele:
Reime: -ɔp

Bedeutungen:

[1] mit Akkusativ, nur in festen Wortverbindungen: jeder zweite

Beispiele:

[1] Ob den máme studené večeře.
Jeden zweiten Tag haben wir kaltes Abendessen.
Alle zwei Tage haben wir kaltes Abendessen.

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] ob dům — jedes zweite Haus
[1] ob řádek — jede zweite Zeile (Reihe)
[1] ob rok — jedes zweite Jahr, alle zwei Jahre

ÜbersetzungenBearbeiten

[1] Internetová jazyková příručka - Ústav pro jazyk český AV ČR: „ob
[1] Bohuslav Havránek (Herausgeber): Slovník spisovného jazyka českého. Prag 1960–1971: „ob
[1] Oldřich Hujer et al. (Herausgeber): Příruční slovník jazyka českého. Prag 1935–1957: „ob
[1] seznam - slovník: „ob
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalob




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op