Kette geben (Deutsch)Bearbeiten

RedewendungBearbeiten

 
[1] Mitch Hall gibt Kette während einer Testfahrt bei Kailua-Kona, Hawaii, am Vortag der 2006 Ironman World Championship
 
[1] ein Mädchen gibt Kette

Worttrennung:

Ket·te ge·ben

Aussprache:

IPA: [ˈkɛtə ˌɡeːbn̩], [ˈkɛtə ˌɡeːbm̩]
Hörbeispiele:   Kette geben (Info)

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich: (vor allem, aber nicht ausschließlich, mit einem über Ketten angetriebenen Fahrzeug) sehr schnell fahren
[2] umgangssprachlich: seine ganze Kraft (für etwas) aufbieten, sich mit allen Kräften (bei, für etwas) einsetzen; sich große Mühe geben, um etwas zu leisten

Synonyme:

[2] reinhängen

Sinnverwandte Wörter:

[1] Gas geben, schwing die Hufe
[1] eilen, hetzen, jagen, preschen, rennen, sausen, schießen, stürmen
[1] gehoben: fliegen, hasten, stieben
[1] umgangssprachlich: düsen, flitzen, pesen, rasen, sprinten, spritzen, spurten, wetzen
[1] salopp: gasen
[1] süddeutsch, schweizerisch: springen
[1] landschaftlich: schesen
[2] sich abkämpfen, sich abmühen, alle Kräfte anspannen, sich beeifern, sich bemühen, sich bestreben, sich betätigen, sich binden, sich einsetzen, eintreten (für), sich engagieren, sich ins Geschirr legen, kämpfen (für), sich Mühe geben, nichts unversucht lassen, (jemandes) Partei ergreifen/(für jemanden) Partei ergreifen/(jemandes) Partei nehmen/(für jemanden) Partei nehmen, sich strapazieren
[2] österreichisch: antauchen
[2] gehoben: sich etwas angelegen sein lassen, sich befleißigen, sich verwenden (für)
[2] zumeist gehoben: sich mühen
[2] umgangssprachlich: sich abstrampeln, sich abzappeln, alle Hebel in Bewegung setzen, sich auf die Hinterbeine setzen/sich auf die Hinterbeine stellen, sich dahinterklemmen, sich hineinknien, sich ins Zeug legen, rackern, sich starkmachen, strampeln
[2] österreichisch umgangssprachlich: sich antun, dazuschauen
[2] süddeutsch, österreichisch umgangssprachlich: sich abfretten, sich fretten
[2] salopp: sich die Ohren brechen
[2] schweizerisch salopp: krampfen
[2] derb: sich den Arsch aufreißen
[2] landschaftlich: asten, sich dazuhalten, sich stremmen; besonders süddeutsch: schaffen
[2] veraltet: sich befleißen

Gegenwörter:

[1] kriechen, schleichen
[1] salopp: gurken
[1] landschaftlich umgangssprachlich: nuddeln
[2] umgangssprachlich: durchhängen

Oberbegriffe:

[1] fortbewegen
[2] sich anstrengen, Anstrengungen machen
[2] gehoben: Anstrengungen unternehmen

Beispiele:

[1] „Die alle Welt schockierende Katastrophe von Le Mans, bei der ein von der Strecke abkommender Rennwagen rund hundert Zuschauer in den Tod riss, führte in der Schweiz prompt zum generellen Verbot von Rennveranstaltungen. Dass bis dahin in der Alpenrepublik kräftig Kette gegeben wurde, wissen fast ein halbes Jahrhundert später aber nur die wenigsten Motorradmenschen.“[1]
[1] „Danach heißt es: Kette geben. Mit Tempo 60 donnert der Panzer über alle Bodenwellen.“[2]
[1] „Die beiden Polizisten geben Kette und rattern mit ihren robusten und gefederten Mountainbikes über das Pflaster am Mainufer, dann geht es ein Stück parallel des Niddaufers entlang.“[3]
[1] „Die Studenten wollen den Blick für das Marketingpotential des Zweirades schärfen. Plakate in Anlehnung an die Werbung der Autoindustrie mit dem Aufdruck ‚Ich gebe Kette‘ wurden gezeigt.“[4]
[1] „Ein Besucher aus Taiwan, der vergangene Woche bei seiner ersten Ausfahrt auf einer deutschen Straße richtig Kette gab, hatte die Sache übrigens nicht ganz verstanden.“[5]
[1] „‚Des warn noch Zeiten‘, meinte er, als sie mit ihren Zündapp- und Herkules-Maschinen richtig Kette gaben.[6]
[2] „Deshalb hat sich Michael Belling mit seinem Team auch Folgendes vorgenommen: ‚Wir wollen gegen Esbeck auf jeden Fall richtig Kette geben.‘“[7]
[2] „‚Kette geben, ihr müsst lauter singen als der Chor‘, sagte er und hatte damit Erfolg.“[8]
[2] „Nun wolle er erst mal über die zwei freien Tage kommen und dann ‚ordentlich Kette geben‘.“[9]
[2] „Die Mannschaft hat es verinnerlicht: Wenn wir jede Woche Kette geben, dann gewinnen wir auch – aber auch nur dann.“[10]
[2] „Um weitere Unfälle zu verhindern, sollten die Verantwortlichen endlich Kette geben und schnellstens den gewünschten Radweg zwischen Kreischa und Dresden bauen lassen.“[11]

ÜbersetzungenBearbeiten

[1, 2] Redensarten-Index „Kette geben
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Kette: Kette geben«, Seite 401.

Quellen:

  1. So war’s vor dem Verbot. Als in der Schweiz noch Motorradrennen gefahren wurden. In: Der Tagesspiegel. 22. Juni 2001, Seite M05.
  2. Thilo Seidel, Bagger-Laie: „Wahnsinn! Wie leicht es ist, Berge zu versetzen …“ In: Leipziger Volkszeitung. 6. Januar 2006, ISSN 0232-3222, Seite 1.
  3. Klingel statt Martinshorn. In: Frankfurter Neue Presse. 18. Juli 2007, Seite 4.
  4. „Glück, dass wir Schuh haben“. In: Neue Westfälische. 10. November 2007.
  5. Tom Hillenbrand: Singles pflastern seinen Weg. In: Spiegel Online. 2. Februar 2008, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 21. November 2018).
  6. Kreative Pause beendet. In: Moosburger Zeitung. 16. Februar 2017, Seite 20.
  7. FSV-Coach: „Wir stehen gewaltig unter Druck“. In: Braunschweiger Zeitung. 9. September 2011.
  8. Dreimal feiern, dreimal Spaß – Fest in Etappen. In: Braunschweiger Zeitung. 24. September 2012.
  9. Sandra Schmidt: Da hilft nur Druck. In: taz.die tagezeitung. Nummer 10085, 19. April 2013, ISSN 1434-4459, Seite 19 (taz Print-Archiv, abgerufen am 21. November 2018).
  10. VfB braucht Ostern und Weihnachten. In: Wolfsburger Nachrichten. 26. April 2013.
  11. Sebastian Martin: Jeder verletzte Radler ist einer zu viel. In: Sächsische Zeitung. 11. Juni 2014, Seite 13.