Hiobsbotschaft

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des Jahres 2020 das Wort der Woche.

Hiobsbotschaft (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, fBearbeiten

Singular

Plural

Nominativ die Hiobsbotschaft

die Hiobsbotschaften

Genitiv der Hiobsbotschaft

der Hiobsbotschaften

Dativ der Hiobsbotschaft

den Hiobsbotschaften

Akkusativ die Hiobsbotschaft

die Hiobsbotschaften

Nebenformen:

selten: Hiobsmeldung, Hiobsnachricht
veraltend: Hiobspost
veraltet: Hiobszeitung

Worttrennung:

Hi·obs·bot·schaft, Plural: Hi·obs·bot·schaf·ten

Aussprache:

IPA: [ˈhiːɔpsˌboːtʃaft]
Hörbeispiele:   Hiobsbotschaft (Info)

Bedeutungen:

[1] sehr schlimme, erschreckende Botschaft, Nachricht; ferner abgeschwächt auch: Nachricht von etwas Ärgerlichem, Unerfreulichem

Herkunft:

  • strukturell:
Determinativkompositum, zusammengesetzt aus dem Eigennamen der biblischen Gestalt Hiob und dem Substantiv Botschaft, verbunden mit dem Fugenelement -s
Es handelt sich um eine Anfang des 19. Jahrhunderts aufgekommene phraseologisch verwendete Zusammensetzung (älteres, bereits seit späterem 18. Jahrhundert häufig nachgewiesenes, heute veraltendes gleichbedeutendes Hiobspost ablösend) mit dem Namen der alttestamentlichen Gestalt Hiob, der als frommer Mann von Gott durch eine Serie immer schlimmerer Unglücksfälle (Verlust des Viehs, der Kinder, eigene Krankheit) geprüft wird, die ihm zum Teil kurz nacheinander von Boten mitgeteilt werden und die er nach einer vorübergehenden Phase der Verzweiflung und des Haderns mit Gott geduldig und demütig erträgt (siehe Hiob 1,13–19 LUT).[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] Horrormeldung, Schreckensbotschaft/Schreckensmeldung/Schreckensnachricht, Unglücksbotschaft/Unglücksnachricht

Gegenwörter:

[1] Freudenbotschaft, Glücksbotschaft; ferner: Erfolgsmeldung, Hoffnungsmeldung

Oberbegriffe:

[1] Botschaft

Beispiele:

[1] Es ist nicht leicht, Angehörigen von überraschend Verstorbenen die Hiobsbotschaft zu überbringen.
[1] Aus Afghanistan hört man eine Hiobsbotschaft nach der anderen.
[1] „Hans Dampf, bei dem ſich die Hiobsbotſchaften durchkreuzten, kratzte ſich hinter den Ohren und ſeufzte: ‚Undank iſt der Welt Lohn!‘ packte ein, hüllte ſich in ſeine Tugend und reiſete nach Lalenburg ab.“[2]
[1] „Jeder Tag, jede Stunde bringt neue Kunde von blutigen Judenverfolgungen in Polen, bringt neue Hiobsbotſchaften aus allen jenen Gebieten, die vom Fuße polniſcher Eroberer betreten werden.“[3]
[1] „Darüber hinaus werden sich die Hiobsbotschaften über zunehmende Radioaktivität und Luftverseuchung auf die Dauer allerdings nur dann vermeiden lassen, wenn die Politiker und Militärs auf die wissenschaftlich ebenso unsinnigen wie menschlich sehr bedenklichen Versuche verzichten, immer wieder mit machtvollen Demonstrationen von Atom- und Wasserstoffbombenexplosionen die Atmosphäre unseres Erdballs physisch und seelisch weiter zu verseuchen.“[4]
[1] „Den Herstellern von Markenschokolade und -spirituosen stehen die Haare zu Berge. Die Hiobsbotschaften jagen einander. Ein Wettbewerber nach dem anderen senkt die Preise, bindet sie dann neu oder läßt die Preisbindung zugunsten unverbindlicher Preisempfehlungen fahren.“[5]
[1] „Ach, Sie Tüftler. Rücken Sie schon heraus mit Ihrer Hiobsbotschaft.[6]
[1] „Ist aus dem Haus getreten und hat im Handumdrehen die Juden mit der Hiobsbotschaft zu Tode erschreckt, weil er unbedingt der Erste sein muß, ob in die Hölle oder ins Paradies, Kowalski immer vorneweg.“[7]
[1] „Er solle die Hiobsbotschaft nicht aus unberufenem Munde erhalten.“[8]
[1] „Was ich diesen Männern verdanke, die, wie die Beuteltiere, kostbarste Freudenbotschaften oder unerträgliche Hiobsbotschaften mit sich herumtragen, auf Fahrrädern radelnd, auf Motorrädern heraufknatternd vom Heumarkt, Stiegen steigend, unter Lasten läutend, in der größten Unsicherheit, ob der Weg sich gelohnt hat, ob der Adressat anwesend ist, ob der Adressat nur einen Schilling oder vier Schilling ausläßt, was ihm die Nachricht überhaupt wert ist — was wir also alle diesen Männern verdanken, bleibt noch zu sagen.“[9]
[1] „Beim Augenarzt mußte ich lange warten, aber zum Glück gab es keine Hiobsbotschaften.[10]
[1] „Autofahrer müssen in diesen Tagen immer neue Hiobsbotschaften verkraften. Beim Höhenflug der Kraftstoffpreise scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.“[11]
[1] „Zwar gelangten er und die Seinen unter Bewachung schließlich doch nach Hamburg, aber nur, um dort eine neue, endgültige Hiobsbotschaft entgegenzunehmen.“[12]
[1] „Aber in Marburg wartete eine Hiobsbotschaft auf mich.“[13]
[1] „Die Hiobsbotschaft überwand in wenigen Stunden, obwohl es noch kein Radio gab und kaum Telefonleitungen in ländlichen Regionen, Hunderte von Kilometern scheinbar mühelos.“[14]
[1] „Diese Hiobsbotschaft soll erst mal wirken.“[15]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] eine Hiobsbotschaft erhalten, überbringen; es kommen (immer, ständig) neue Hiobsbotschaften (aus, von); die vielen Hiobsbotschaften der letzten Zeit; eine Hiobsbotschaft jagt die andere; jemand bricht unter der Last einer Hiobsbotschaft zusammen

Wortbildungen:

Hiobsbotschafter

ÜbersetzungenBearbeiten

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Hiobsbotschaft
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Hiobsbotschaft
[1] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Fremdwörterbuch „Hiobsbotschaft
[1] The Free Dictionary „Hiobsbotschaft
[1] Duden online „Hiobsbotschaft
[1] wissen.de – Wörterbuch „Hiobsbotschaft
[1] Wahrig Fremdwörterlexikon „Hiobsbotschaft“ auf wissen.de
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Hiobsbotschaft
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalHiobsbotschaft
[1] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 360.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Fremdwörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 9. Auflage. Band 5, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04059-9, DNB 98178948X (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hiobsbotschaft«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hiobsbotschaft«.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 561.
[1] Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. 2. völlig neubearbeitete Auflage. 7. Band: habilitieren – hysterisch, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-025251-4, DNB 1009313150 (neubearbeitet im Institut für Deutsche Sprache unter der Leitung Herbert Schmidt), Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 275–277.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 884.
[1] Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche: Katharina Boßerhoff: Die Hiobsbotschaft. In: Deutsche Welle. 13. Dezember 2019 (Text und Audio zum Download, Dauer: 01:42 mm:ss, URL, abgerufen am 20. Dezember 2019).

Quellen:

  1. Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. 2. völlig neubearbeitete Auflage. 7. Band: habilitieren – hysterisch, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-025251-4, DNB 1009313150 (neubearbeitet im Institut für Deutsche Sprache unter der Leitung Herbert Schmidt), Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 275–276.
    Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Fremdwörterbuch „Hiobsbotschaft
  2. Heinrich Zſchokke: Hans Dampf in allen Gaſſen. (Bruchſtück aus der Chronik von Lalenburg.) [1814]. In: Heinrich Zſchokke’s ausgewaͤhlte Schriften. Vierundzwanzigſter Theil, Bei Heinrich Remigins Sauerländer, Aarau 1825, Seite 167 (Zitiert nach Google Books).
  3. L. R.: Der Verſailler Entwurf und die Judenfrage. In: Allgemeine Zeitung des Judentums. Ein unparteiiſches Organ für alles jüdiſche Intereſſe. Nummer 21, 83. Jahrgang, 23. Mai 1919, Seite 222 (Zitiert nach Digitalisat der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main).
  4. Leo Nitschmann: Sind wir schon durch Atomstrahlen bedroht? In: DIE ZEIT. Nummer 30, 26. Juli 1956, ISSN 0044-2070, Seite 17 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 15. November 2019).
  5. Werner Lichey: Plötzlich purzeln Preise. In: Die Welt. 6. Juli 1964, ISSN 0173-8437, Seite 3 (Ausgabe Berlin).
  6. Erik Neutsch: Spur der Steine. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1964, Seite 306.
  7. Jurek Becker: Jakob der Lügner. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1969, Seite 242.
  8. Johannes Tralow: Kepler und der Kaiser. Roman. 3., veränderte Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1984, Seite 49 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe 1961).
  9. Ingeborg Bachmann: Malina. Bertelsmann, Güterloh 1992, Seite 200 (Erstausgabe 1971).
  10. Ingrid Noll: Ladylike. Roman. Diogenes, Zürich 2006, ISBN 978-3-257-06509-1, Seite 127.
  11. Umdenken gefragt. In: Mannheimer Morgen. 19. Mai 2008, Seite 4 (Stadtausgabe).
  12. Ralph Giordano: Die Bertinis. Roman. 22. Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-596-25961-8, Seite 24.
  13. Rafik Schami: Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und andere seltsame Geschichten. 4. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011, ISBN 978-3-423-14003-3, Seite 167.
  14. Sven Felix Kellerhoff: Heimatfront. Der Untergang der heilen Welt - Deutschland im Ersten Weltkrieg. Quadriga, Köln 2014, ISBN 978-3-86995-064-8, Seite 17.
  15. Markus Feldenkirchen: Ihr letztes Gefecht. In: DER SPIEGEL. Nummer 1, 2. Januar 2016, ISSN 0038-7452, Seite 36 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 16. November 2019).