Hiobspost (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, fBearbeiten

Singular

Plural

Nominativ die Hiobspost

die Hiobsposten

Genitiv der Hiobspost

der Hiobsposten

Dativ der Hiobspost

den Hiobsposten

Akkusativ die Hiobspost

die Hiobsposten

Worttrennung:

Hi·obs·post, Plural: Hi·obs·pos·ten

Aussprache:

IPA: [ˈhiːɔpsˌpɔst]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] veraltend: sehr schlimme, erschreckende Botschaft, Nachricht; ferner abgeschwächt auch: Nachricht von etwas Ärgerlichem, Unerfreulichem

Herkunft:

  • strukturell:
Determinativkompositum, zusammengesetzt aus dem Eigennamen der biblischen Gestalt Hiob und dem Substantiv Post, verbunden mit dem Fugenelement -s
Die seit dem 18. Jahrhundert häufig nachgewiesene, heute veraltende Zusammensetzung mit dem Namen der alttestamentlichen Gestalt Hiob und dem Substantiv Post in seiner veralteten Bedeutung ‚Botschaft, Nachricht[1][2] bezieht sich wie gleichbedeutendes Hiobsbotschaft auf die Bibelstelle Hiob 1,13–19 LUT.[3][4] Goethes Verwendung des Ausdrucks in seinem Schauspiel »Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand« (1773) hat zu dessen Verbreitung beigetragen, wodurch Hiobspost allgemein bekannt wurde.[2][5] Darin bringt Liebetraut im ersten Akt dem Abt von Fulda und dem Bischof von Bamberg die Nachricht, dass Götz seinen Gegner Weislingen gefangen genommen hat.[5] An der Stelle heißt es:
Liebetraut. Berlichingen hat ihn und drey
Knechte bey Haslach weggenommen. Einer iſt ent-
ronnen euch’s anzuſagen.
Abt. Eine Hiobs Poſt![6]

Beispiele:

[1] „Huͤte dich Hiobspoſten zu bringen, man haßt den Verraͤther, und liebt die Veraͤtherey.“[7]
[1] „Dies waren indeß nur die Vorboten der Hiobspoſten, die ſeiner warteten : denn im kurzen kehrte ihm Donna Fortuna gar den Ruͤcken und das ſchon laͤngſt im Hinterhalte gelauerte Elend mit ſeinem ganzen ſchrecklichen Gefolge : Armuth, Krankheit, Verachtung, Hohngelaͤchter und Verzweiflung, brach, gleich einer Raͤuberbande auf ihn herein und ſtuͤrzte ihn auf einmal von der ſchwindelnden Hoͤhe in den bodenloſen Abgrund, wo alles ihm den Ruͤcken kehrte, kein Freund ihm die Hand entgegenſtreckte, ſondern jeder voruͤber ging, und ihn blos den Vorwuͤrfen ſeines beſchwerten Gewiſſens uͤberließ.“[8]
[1] „Das Laufmaͤdchen lief nach Brod aus; kam aber wieder mit dem Groſchen und mit der Hiobspoſt: ‚es laͤge ſo ſpaͤt nichts mehr auf allen Beckerlaͤden als Zweigroſchenbrodte — der Vater (der Altreis Fecht) habe auch nichts bekommen.‘“[9]
[1] „Die von Wakefield selbst so laut denuncirte, schamlose Verschleuderung des unbebauten Kolonialbodens an Aristokraten und Kapitalisten Seitens der englischen Regierung hat namentlich in Australien[…], zusammen mit dem Menschenstrom, den die Diggings hinziehn, und der Konkurrenz, welche der Import englischer Waaren selbst dem kleinsten Handwerker macht, eine hinreichende ‚relative Arbeiterübervölkerung‘ erzeugt, so dass fast jedes Postdampfschiff die Hiobspost eines ‚glut of the Australian labour-market‘ bringt, und die Prostitution dort stellenweis so üppig gedeiht wie auf dem Haymarket von London.“[10]
[1] „Der Dichter erwiderte: ‚Einer meiner reichen Freunde wird sie demnächst heiraten, Gnädige!‘ ‚Ich bezahle also, bitte, fünf Marons glacés, ein Melonen-Eis und zwei Butterteig-Palmiers,‘ sagte die Gnädige und entfernte sich schleunigst infolge dieser Hiobspost.[11]
[1] „Aus Europa kamen Hiobsposten.[12]
[1] „Der lautlose Lärm, der aus unserer Traumerfahrung seit je uns gegenwärtig ist, tönt dem Wachen aus den Schlagzeilen der Zeitungen entgegen. Die mythische Hiobspost erneuert sich mit dem Radio.“[13]
[1] „Das war Israels Alltag, ab – für eine kurze Atempause gleichsam – mit dem deutschen Staatsgast der Sonntag ins Land kam, wie bestellt, um für ein paar Augenblicke wenigstens das alles zu vergessen, zumindest zu verdrängen: den Tod, die Gefahr, die schiere Aussichtslosigkeit, auch die nackte Angst vor dem nächsten Anschlag, der neuen Hiobspost.[14]
[1] „Seinem Londoner Musikverleger Boosey & Hawkes zufolge war der in Schlesien lebende Komponist von dieser vatikanischen Hiobspost so mitgenommen, daß er ernsthaft erwäge, den Auftrag aufzugeben.“[15]
[1] „Übrigens, noch eine Hiobspost und à propos Arzt: Die Krankenkassen fürchten, ihre Beiträge trotz der Gesundheitsreform nicht senken zu können.“[16]
[1] „Am Dienstag flatterte ihm schon die nächste Hiobspost ins Haus: Am Nachmittag erreichte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Meldung, dass Leverkusens Nationaltorhüter René Adler am vergangenen Samstag beim 1:2 beim VfB Stuttgart einen Rippenbruch erlitten hat.“[17]

Alle weiteren Informationen zu diesem Begriff befinden sich im Eintrag Hiobsbotschaft.
Ergänzungen sollten daher auch nur dort vorgenommen werden.

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Hiobspost
[1] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Fremdwörterbuch „Hiobsbotschaft
[1] The Free Dictionary „Hiobspost
[1] Duden online „Hiobspost
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hiobspost« mit Verweis auf das Stichwort »Hiobsbotschaft«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die deutsche Rechtschreibung. In: Der Duden in zwölf Bänden. 25. Auflage. Band 1, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hiobspost«.
[1] Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. 2. völlig neubearbeitete Auflage. 7. Band: habilitieren – hysterisch, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-025251-4, DNB 1009313150 (neubearbeitet im Institut für Deutsche Sprache unter der Leitung Herbert Schmidt), Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 275–276 sowie 278–279 (Beispiele).

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Hiobspost«, Seite 414.
  2. 2,0 2,1 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Hiobspost“.
  3. Hans Schulz, Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. 2. völlig neubearbeitete Auflage. 7. Band: habilitieren – hysterisch, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-025251-4, DNB 1009313150 (neubearbeitet im Institut für Deutsche Sprache unter der Leitung Herbert Schmidt), Stichwort »Hiobsbotschaft«, Seite 275–276.
    Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Fremdwörterbuch „Hiobspost
  4. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 5., neu bearbeitete Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »Hiobspost«, Seite 384.
  5. 5,0 5,1 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hiobspost« mit Verweis auf das Stichwort »Hiobsbotschaft«.
  6. [Johann Wolfgang von Goethe]: Goͤtz von Berlichingen mit der eiſernen Hand. Ein Schauſpiel. 1. Auflage. [sine editio], [sine loco] 1773, Seite 49 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  7. [Theodor Gottlieb von Hippel]: Lebenslaͤufe nach Aufſteigender Linie nebſt Beylagen A, B, C, Meines Lebenslaufs. Erſter Theil, bey Chriſtian Friedrich Voß, Berlin 1778, Seite 316 (zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  8. C[hristoph]. F[riedrich]. Bretzner: Das Leben eines Luͤderlichen. Ein moraliſch-ſatyriſches Gemaͤlde nach Chodowiecki und Hogarth. Zweyte verbeſſerte Auflage. Dritter und letzter Theil, bey Friedrich Gotthold Jacobaͤer, Leipzig 1792, Seite 106–107 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe 1788).
  9. Jean Paul: Blumen-, Frucht- und Dornenſtuͤkke oder Eheſtand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhſchnappel. Zweites Baͤndchen, [i]n Carl Maßdorff’s Buchhandlung, Berlin 1797, Seite 56–57 (Zitiert nach Internet Archive).
  10. Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. 1. Auflage. Erster Band. Buch Ⅰ: Der Produktionsprocess des Kapitals., Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867, Seite 755–756 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  11. Peter Altenberg: PRÒDRŎMŎS. Zweite Auflage. S. FISCHER, VERLAG, BERLIN 1906, Seite 148 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  12. Heinrich Eduard Jacob: Sage und Siegeszug des Kaffees. Die Biographie eines weltwirtschaftlichen Stoffes. Ungekürzte Ausgabe [1.–25. Tausend], Rowohlt, Hamburg 1964 (rororo Taschenbuch ; Ausgabe 675/676), Seite 252 (Erstausgabe bei Rowohlt, Berlin 1934).
  13. Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971, Seite 56 (Erstveröffentlichung 1951).
  14. Dietrich Strothmann: „Im Dickicht des Jordan“. In: DIE ZEIT. Nummer 43, 18. Oktober 1985, ISSN 0044-2070, Seite 2 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 16. November 2019).
  15. Henryk Gorecki: Ärger mit der „Freuden-Messe“. In: Die Welt. 31. Mai 1999, ISSN 0173-8437, Seite 28.
  16. Helmuth Karasek: Warum Müntefering trotz bedrückender Nachrichten gut gelaunt ist. In: Berliner Morgenpost. 8. Oktober 2004, Seite 2.
  17. Nächste Hiobsbotschaft für Löw. In: Süddeutsche Zeitung. 21. April 2010, ISSN 0174-4917, Seite 27.