nachkommen (Deutsch)Bearbeiten

VerbBearbeiten

Person Wortform
Präsens ich komme nach
du kommst nach
er, sie, es kommt nach
Präteritum ich kam nach
Konjunktiv II ich käme nach
Imperativ Singular komm nach!
komme nach!
Plural kommt nach!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
nachgekommen sein
Alle weiteren Formen: Flexion:nachkommen

Worttrennung:

nach·kom·men, Präteritum: kam nach, Partizip II: nach·ge·kom·men

Aussprache:

IPA: [ˈnaːxˌkɔmən]
Hörbeispiele:   nachkommen (Info)

Bedeutungen:

[1] intransitiv: jemandem, einer Sache nach einiger Zeit folgen; einige Zeit später hinterherkommen; auf etwas (später) als Konsequenz folgen
[2] transitiv: sich hinter jemandem herbewegen
[3] transitiv; gehoben: dem entsprechen, das erfüllen, was ein anderer von einem verlangt
[4] intransitiv: etwas schnell genug tun, um (wie geplant, wie erwartet) voranzukommen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten; mit jemandem, etwas mithalten, sich nicht übertreffen lassen
[5] transitiv; landschaftlich: jemandem (besonders einem Eltern- oder Großelternteil) ähnlich werden

Herkunft:

  • strukturell:
Ableitung eines Partikelverbs zum Verb kommen mit dem Präverb (Verbpartikel, Verbzusatz) nach
Bei dem Verb handelt es sich um ein Erbwort, das über mittelhochdeutsches nāchkomen → gmh / nāch komen → gmh[1]nachfolgen‘ auf das seit um 1000 bezeugte althochdeutsche nāhqueman → gohnachfolgen‘ zurückgeht.[2]

Synonyme:

[4] (mit jemandem, etwas) Schritt halten
[5] nachschlagen

Sinnverwandte Wörter:

[4] mithalten, mitkommen
[5] (nach jemandem) geraten

Oberbegriffe:

[1, 2] kommen

Beispiele:

[1] „Dann lässt sich von unseren jungen Leuten der eine seine Braut, der andere seine Eltern und Geschwister nachkommen.[3]
[1] „Wer mit ſeinem freien Willen gewiſſe Pflichten eingegangen iſt, hat, was nachkommt, nur ſich zuzuſchreiben und kein Recht, ſich zu beklagen.“[4]
[1] „‚Ja, mach zu!‘ sagte ich. ‚Ich komme gleich nach. In ’ner Stunde oder so bin ich wieder vorne‘.“[5]
[1] „Er gehe trotzdem ans Wasser. Vielleicht komme sie nach.[6]
[1] „Er würde, so sagt er, vor Gericht beweisen, daß die Eisenbahnbeamten den Zug vor einer blanken Eisenbahnermütze hätten halten lassen. Aber es kam nichts nach. Onkel Phile wurde nicht belangt.“[7]
[1] „Und wenn es ihr wieder besser geht, können wir sie nachkommen lassen.“[8]
[1] „Wenn ich fertig bin, komme ich nach.[9]
[1] „Marie blickte sie an und wartete, ob da noch was nachkam.[10]
[2] „Marie hatte längst ihren Monolog über die Ordnungsprinzipien abgebrochen, sie rauchte auch nicht mehr, und als ich vom Fenster zurücktrat, kam sie mir nach, faßte mich an der Schulter und küßte mich auf die Augen.“[11]
[2] „Aber im Traum kam der Sägemüller ihr nach und berührte sie. Sie schrie.“[12]
[2] „Ich bin weggegangen, und er ist mir nicht einmal nachgekommen.[13]
[2] „Und komm mir nicht nach.[14]
[3] „Herr Matzerath bittet mich nun, ihn zu beschreiben. Froh komme ich diesem Wunsch nach und überspringe einen Teil jener Geschichten, die er, weil sie von Krankenschwestern handeln, breit ausmalt und mit gewichtigen Worten behängt.“[15]
[3] „Katja war der Aufforderung nicht nachgekommen.[16]
[3] „Der Autor Russel Shorto[…] sieht allerdings die Eroberung Neuschwedens durch Stuyvesant im selben Jahr als wirkliche Ursache: die Indianer seien einfach ihren Bündnispflichten gegenüber den Schweden nachgekommen.[17]
[3] „Am 3. Oktober 2016 ordnete der russische Präsident Putin an, das Abkommen zu suspendieren, da die US-amerikanische Seite ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sei.[18]
[4] „Er ſagte: ‚Daß du geſcheiter biſt als ich, weiß ich, ich habe nie verſucht, dir nachzukommen. […]‘“[19]
[4] „Sie kam offenbar kaum nach mit Schreiben, so viel hatte sie denen zu Hause mitzuteilen.“[20]
[4] „Und schon ging wieder sein Gejammer los: »Lauf nicht so schnell, ich komme nicht nach. […]«“[21]
[5] „In der Hinsicht kommst Du vielleicht Deinem Großvater nach, ich weiß es nicht, aber rein äußerlich seid Ihr ihm beide, Du und Dein Vater, sehr ähnlich.“[22]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] bald, gleich, in einer halben Stunde nachkommen
[2] jemandem nachkommen
[3] einer Anordnung, Forderung, Bitte nachkommen; Pflichten, Verpflichtungen nachkommen; einem Befehl, Wunsch nachkommen
[4] mit der Arbeit, Produktion nachkommen
[5] der Sohn, die Tochter kommt der Mutter, dem Vater nach

Wortbildungen:

Nachkomme, Nachkömmling

ÜbersetzungenBearbeiten

[1, 3, 4] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „nachkommen
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „nachkommen
[1–4] The Free Dictionary „nachkommen
[1–5] Duden online „nachkommen
[1, 3, 4] wissen.de – Wörterbuch „nachkommen
[1–4] PONS – Deutsche Rechtschreibung „nachkommen
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalnachkommen
[1–5] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »nachkommen«.
[1–5] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »nachkommen«, Seite 1257.

Quellen:

  1. Duden online „nachkommen
  2. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „nachkommen“.
  3. Theodor Herzl: DER JUDENSTAAT. VERSUCH EINER MODERNEN LÖSUNG DER JUDENFRAGE. 1. Auflage. M. BREITENSTEIN’S VERLAGS-BUCHHANDLUNG, LEIPZIG/WIEN 1896, Seite 59 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  4. Heinrich Mann: Zwiſchen den Raſſen. Roman. Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunſt, München 1907, Seite 302 (Zitiert nach Google Books).
  5. Alfred Andersch: Die Kirschen der Freiheit. Ein Bericht. Unveränderte Neuausgabe, 1.–6. Tausend, Diogenes Verlag, Zürich 1971 (Diogenes-Taschenbuch ; 1), Seite 99 (Erstveröffentlichung in der Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1952).
  6. Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Novelle. 1.–25. Tausend, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-04269-6, Seite 126.
  7. Erwin Strittmatter: Der Laden. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1983, Seite 274.
  8. Mirjam Pressler: Malka Mai. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2001, ISBN 978-3-407-80879-0, Seite 85.
  9. Adolf Muschg: Sutters Glück. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003 (Suhrkamp-Taschenbuch ; 3442), ISBN 3-518-39942-X, Seite 60.
  10. Martin Suter: Lila, Lila. Roman. Diogenes, Zürich 2004, ISBN 978-3-257-06386-8, Seite 132.
  11. Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns. Roman. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1963, Seite 96.
  12. Erwin Strittmatter: Ole Bienkopp. Roman. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1963, Seite 60 (Lizenz des Aufbau-Verlag, Berlin; Ausgabe für die BRD).
  13. Utta Danella: Das Hotel im Park. Roman. 1. Auflage. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1989, ISBN 3-455-01362-7, Seite 10.
  14. Jakob Arjouni: Chez Max. Roman. 1. Auflage. Diogenes, Zürich 2006, ISBN 978-3-257-06536-7, Seite 201.
  15. Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. 323.–372. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 356 (Erstausgabe 1962).
  16. Julia Franck: Lagerfeuer. Roman. 1. Auflage. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2003, ISBN 978-3-8321-7851-2, Seite 148.
  17. Deutscher Wikipedia-Artikel „Pfirsich-Krieg“ (Stabilversion), Version vom 23. Juli 2016.
  18. Deutscher Wikipedia-Artikel „Plutonium Management and Disposition Agreement“ (Stabilversion), Version vom 5. Oktober 2016.
  19. Hermann Bahr: Himmelfahrt. Roman. S. Fiſcher, Verlag, Berlin 1916, Seite 144 (Zitiert nach Digitalisat der ÖNB).
  20. Martin Walser: Brandung. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-03570-3, Seite 103.
  21. Harald Braem: Gilgamesch. Neuausgabe des Gesamtwerks „Gilgamesch“ in 2 Bänden. Band 1[:] Der Löwe von Uruk. Roman, Elvea Verlag, Chemnitz 2020, ISBN 978-3-946751-90-8, Seite 40 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe Gesamtwerk bei Piper, München 1988).
  22. James Baldwin: Mein Kerker bebte. Brief an meinen Neffen zum hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung. In: Derselbe; mit einem Vorwort von Jana Pareigis (Herausgeber): Nach der Flut das Feuer. ›The Fire Next Time‹. Neuübersetzung, 2. Auflage. dtv, München 2020 (Originaltitel: The Fire Next Time, übersetzt von Miriam Mandelkow aus dem amerikanischen Englisch), ISBN 978-3-434-14736-1, Seite 27 (Erstauflage der Neuübersetzung 2019; deutschsprachige Erstveröffentlichung unter dem Titel Hundert Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung bei Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1964; englischsprachige Originalausgabe 1963).