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mausetot (Deutsch)Bearbeiten

AdjektivBearbeiten

Positiv Komparativ Superlativ
mausetot
Alle weiteren Formen: Flexion:mausetot

Nebenformen:

umgangssprachliche Kurzform: mause
österreichisch umgangssprachlich: maustot

Worttrennung:

mau·se·tot, keine Steigerung

Aussprache:

IPA: [ˌmaʊ̯zəˈtoːt]
Hörbeispiele:   mausetot (Info)
Reime: -oːt

Bedeutungen:

[1] familiär emotional[1]umgangssprachlich verstärkend[2]salopp[3]; auch übertragen: wirklich, völlig tot

Herkunft:

Kluge, Pfeifer und Duden zufolge handele es sich bei dem seit dem 17. Jahrhundert[4][5][6] bezeugten Adjektiv vermutlich[4] um eine volksetymologische[5][6] Umdeutung[4][6] („tot wie eine Maus, die nicht mehr zuckt“[5][6]) der niederdeutschen Formen mūsdōd → nds[5] / musdōt → nds[6], mursdōd → nds[5] / mursdōt → nds[4][6] und morsdōd → nds[5] / morsdōt → nds[6]ganz tot[5][6]. Der erste Bestandteil sei niederdeutsches murs → nds / mors → nds[4][5][6]gänzlich[4][6]; plötzlich[5], ganz und gar[5]‘, das vielleicht mit morsch verwandt ist, hier aber an niederdeutsches Mūs → ndsMaus‘ volksetymologisch angeschlossen wurde (vielleicht in Anlehnung an ebenfalls verstärkendes mūsenstill → ndsmäuschenstill‘)[5].
Wahrig meint, dass eine Anlehnung an Maus jedoch nicht zwingend sei, denn man könnte das Wort auch nach anderen Tieren gebildet haben, die sich bei Gefahr still verhalten oder tot stellen.[7] Verwiesen wird außerdem auf eine andere Deutung, nach der der erste Bestandteil auf hebräisches מָוֶת‎ (CHA: māṿæṯ) → heTod[8][9][10] zurückgehe und also somit eine Verstärkung zum zweiten Bestandteil tot ausdrücken solle.[7] Die Anlehnung an Maus wäre dann aus rein lautlichen Gründen erfolgt.[7]
Laut Ewald Harndt und Martina Zimmermann wiederum handele es sich um eine Entlehnung aus französischem mort → fr aussitôt → fr beziehungsweise mort → fr si → fr tôt → fr[11][12] im Sinne von ‚auf der Stelle[12], sofort[11][12], sehr schnell[11], sogleich tot[11]‘, das durch akustische Angleichung im Deutschen zu »mausetot« geworden sein soll[11].

Synonyme:

[1] landschaftlich: steintot

Sinnverwandte Wörter:

[1] umgangssprachlich: draufgegangen, kapores, kaputt, krepiert
[1] salopp: hin, hinüber
[1] derb: abgekratzt

Gegenwörter:

[1] quicklebendig
[1] umgangssprachlich emotional verstärkend: quietschlebendig

Oberbegriffe:

[1] tot

Beispiele:

[1] Der Soldat war bereits verstorben; mausetot geschlagen lag er da.
[1] „Man hat ihn schon gestern zwischen den Mauern, die Schweickerts Weinberg von Rockers trennen, mausetot aufgefunden.“[13]
[1] „Dann aber klingelt plötzlich Niko, der Filius unserer Nachbarn, an der Tür und hält mir einen mausetoten Hamster vor die Nase.“[14]
[1] „Und schon gleich am ersten Tag der Bohrungen stieß man auf die Geruchsquelle: Was da so müffelte, waren drei mausetote Ratten.“[15]
[1] „Der japanische Fotokünstler Manabu Yamanaka zeigt Ausschnitte aus seiner Bildserie ‚Fujohkan‘, was ‚Vergänglichkeit‘ meint. Anlass dazu bot ihm ein mausetoter Hund am Strand von Nippon, den er über neunundvierzig Tage zu beobachten und zu fotografieren versprach, ‚bis Gras über ihn wächst‘.“[16]
[1] „Dort hat vor kurzem ein 48-jähriger Jäger von seinem Hochsitz aus auf ein Wildschwein gezielt, 200 Meter von ihm entfernt. Der Schütze stiefelte zu seiner Beute, die sich allerdings als mausetotes schwarzes Islandpony entpuppte, das auf einem Ponyhof graste.“[17]
[1] „Zwar spart er die verwesenden Worte nicht, um zu zeigen, daß die Literatur, die bürgerliche, toter als tot ist, daß die Kritik, die bürgerliche, ein mause-, ein scheintotes Nichtdasein führt.“[18]
[1] „Immer hat Christoph Daum recht behalten mit seinen Sprüchen und den kleinen Psychotricks, vor allem hat er einem vor Jahresfrist mausetotem Team binnen kurzem neues Leben eingehaucht.“[19]
[1] „Ich bin kaputt, siehst du, Ruth hat mich kleingekriegt. So klein. Ich bin mausetot und hab’s zehn Jahre lang nicht gemerkt.“[20]
[1] „Die DDR ist seit 1990 mausetot.[21]

Wortbildungen:

mucksmausetot

ÜbersetzungenBearbeiten

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „mausetot
[*] canoo.net „mausetot
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „mausetot
[1] The Free Dictionary „mausetot
[1] Duden online „mausetot
[1] wissen.de – Wörterbuch „mausetot
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „mausetot
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonmausetot
[1] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 5. Band Kot–Naschzahn, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570150-3, DNB 840092393, Stichwort »mausetot«, Seite 1884.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 6. Band Lein–Peko, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04793-3, DNB 965409120, Stichwort »mausetot«, Seite 2542.
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »mausetot«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »mausetot«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »mausetot«, Seite 1178.

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »mausetot«, Seite 1178.
  2. Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »mausetot«.
  3. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „mausetot
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »mausetot«, Seite 607.
  5. 5,00 5,01 5,02 5,03 5,04 5,05 5,06 5,07 5,08 5,09 5,10 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „mausetot“.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 6,7 6,8 6,9 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. neu bearbeitete 5. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »mausetot«, Seite 551.
  7. 7,0 7,1 7,2 Wahrig Herkunftswörterbuch „mausetot“ auf wissen.de
  8. Wilhelm Gesenius; in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. H. Zimmern, Prof. Dr. Max Müller, Prof. Dr. O. Weber; bearbeitet von Dr. Frants Buhl: Wilhelm Gesenius’ Hebräisches und aramäische Handwörterbuch über das Alte Testament. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962, Seite 410 (Unveränderter Neudruck der 1915 erschienenen 17. Auflage).
  9. Jacob Levy: Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim. Band Ⅲ, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1963, Stichwort »מָוֶת‎«, Seite 59 (Unveränderter Neudruck der 2. überarbeiteten Auflage von 1924, Berlin/Wien).
  10. Yaacov Lavi; neu bearbeitet von Ari Philipp, Kerstin Klingelhöfer: Langenscheidt Achiasaf Handwörterbuch Hebräisch–Deutsch. Völlige Neubearbeitung, Langenscheidt, Berlin/München/Wien/Zürich/New York 2004, ISBN 978-3-468-04161-7, DNB 96770877X, Stichwort »מָוֶת‎«, Seite 282.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 Ewald Harndt: Französisch im Berliner Jargon. 1. Auflage. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-360-378-0 (formal falsch), Seite 51.
  12. 12,0 12,1 12,2 Martina Zimmermann: Ils ont leur place dans la culture. Les immigrés dans le cinéma. In: Documents. Revue du dialogue franco-allemand. Nummer 1/07: Elles – femmes, féminité et féminisme, 2007, ISSN 0151-0827, Seite 45.
         „Enfin, mausetot n’a, selon les dernières explications linguistiques, rien à voir avec le trépas d’une souris, mais vient du français « mort aussitôt » ou « mort si tôt », soit sur le coup.“
  13. Elisabeth Langgässer: Das unauslöschliche Siegel. Roman. 3. Auflage. Claassen & Goverts, Hamburg 1949, Seite 84 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe 1946).
  14. Joachim Schulz: Die Wahrheit: Das Jenseits und die große Wäsche. In: taz.die tageszeitung. 11. März 2004, ISSN 0931-9085, Seite 20 (überregionale Ausgabe).
  15. Mausetote Ratten waren stinkig: Geruchsproblem im Marktplatz-Kindergarten. In: Badische Zeitung. 3. Februar 2010, Seite 26.
  16. Gerold Paul: Bis Gras drüber wächst. In: Potsdamer Neuste Nachrichten. 28. April 2011 (Onlineausgabe: URL, abgerufen am 17. Februar 2017).
  17. Bernhard Honnigfort: Experten. In: Frankfurter Rundschau. 29. August 2014, ISSN 0940-6980, Seite 30.
  18. Hellmuth Karasek: Tod der Kritik, gutbürgerlich. In: Die Zeit. 20. Dezember 1968, ISSN 0044-2070, Seite 18.
  19. Thomas Kilchenstein: Nach Heinens kapitalem Fehler gibt sich Bayer wie gelähmt dem Schicksal hin. In: Frankfurter Rundschau. 26. Mai 1997, ISSN 0940-6980, Seite 24.
  20. Adolf Muschg: Sutters Glück. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003 (Suhrkamp-Taschenbuch ; 3442), ISBN 3-518-39942-X, Seite 238.
  21. Matthias Platzeck (Interviewter); Stefan Berg, Konstantin von Hammerstein (Interviewer): „Die DDR ist mausetot“. In: Der Spiegel. Nummer 21, 18. Mai 2009, ISSN 0038-7452, Seite 31 (SPIEGEL-Archiv URL, abgerufen am 17. Februar 2017).