Pfeifendeckel

Pfeifendeckel (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, mBearbeiten

Singular Plural
Nominativ der Pfeifendeckel die Pfeifendeckel
Genitiv des Pfeifendeckels der Pfeifendeckel
Dativ dem Pfeifendeckel den Pfeifendeckeln
Akkusativ den Pfeifendeckel die Pfeifendeckel
 
[1] eisenblecherne Tabakpfeife mit Pfeifendeckel, Bodenfund aus der Schweiz, typologische Datierung zirka 1660/1680 bis 1740/50;
Aufnahme von Benutzer Andreas Rupert am 11. Juni 2008

Worttrennung:

Pfei·fen·de·ckel, Plural: Pfei·fen·de·ckel

Aussprache:

IPA: [ˈp͡faɪ̯fn̩ˌdɛkl̩]
Hörbeispiele:   Pfeifendeckel (Info)

Bedeutungen:

[1] Deckel auf dem Pfeifenkopf
[2] umgangssprachlich veraltend: jemand, der nicht ernst genommen wird, der kein Einfluss besitzt und/oder mitunter auch als dümmlich gilt
[3] historisch regional (Österreich-Ungarn) soldatensprachlich salopp: Soldat, der als Diener eines Offiziers wirkte

Herkunft:

  • strukturell:
Determinativkompositum, zusammengesetzt aus den Substantiven Pfeife und Deckel mit dem Fugenelement -n
Die zweite Bedeutung ist seit 1870 bezeugt.[1]

Synonyme:

[3] Offiziersbursche
[3] historisch regional (Österreich-Ungarn): Offiziersdiener, soldatensprachlich salopp: Putzfleck
[3] historisch regional (schwäbisch): Winke

Sinnverwandte Wörter:

[2] Dümmling, Gimpel
[2] veraltend abwertend: Nichtsnutz, Taugenichts

Oberbegriffe:

[1] Deckel
[2, 3] Person

Beispiele:

[1] „‚Ruhe iſt die erſte Bürgerpflicht!‘ oder ſo was, — ich hab’s vergeſſen — klappte ſeinen Pfeifendeckel zu, drehte ſich langſam um und ging in’s Haus zurück.“[2]
[1] „Die Stimme ſchwieg; man hörte nur das Pfauchen der rauchſaugenden Lippen und das Zuklappen eines Pfeifendeckels.[3]
[2] „Gegebenenfalls könnten damit weitere Pfeifendeckel gemeint sein, denn auch Taugenichtse oder Nichtsnutze werden so genannt.“[4]
[2] «Mach schon, du Pfeifendeckel!»[5]
[2] „Auch die stahlblauen Arieraugen des Parteichefs können die schlagfertige Parteichefin nicht beeindrucken, vielmehr kanzelt sie ihn vor seinem Kameraden von den Burschenschaften wie einen vorlauten Pfeifendeckel ab.“[6]
[3] „In einem alten schwäbischen Buch über die Kriegskunst finden wir auch Winke für Offiziersdiener. Der Putzfleck alter Zeiten sollte fromm, tugendhaft, wahrheits-liebend, bescheiden, tapfer, kühn, ehrlich, arbeitsam sein. Kurz, das Muster eines Menschen. Die Neuzeit hat an diesem Typus viel geändert. Der moderne ‚Pfeifendeckel‘ pflegt für gewöhnlich weder fromm noch tugendhaft und auch nicht wahrheitsliebend zu sein. Der moderne Putzfleck lügt, betrügt seinen Herrn und verwandelt dessen Leben häufig in eine wahre Hölle. Er ist ein schlauer Sklave, der die mannigfachsten Tricks ersinnt, um seinem Herrn das Leben zu verbittern.“[7]
[3] „Ein immer noch vergleichsweise mickriger Feldwebel, der als so genannter Pfeifendeckel der Frau Generalin vielleicht Lippenstift und Puderquasterl nachzutragen gehabt hätte?“[8]
[3] „Er war 21 Jahre alt und schlug sich ganz gut als Offiziersdiener durch, als ‚Pfeifendeckel‘, wie die Wiener sagten.“[9]

ÜbersetzungenBearbeiten

[3] Wikipedia-Artikel „Offiziersbursche“ (dort auch „Pfeifendeckel“)
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Pfeifendeckel
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Pfeifendeckel
[1] Duden online „Pfeifendeckel
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Pfeifendeckel
[1] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »Pfeifendeckel«.
[2] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Pfeifendeckel«.

Quellen:

  1. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Pfeifendeckel«.
  2. Jakob Corvinus: Die Chronik der Sperlingsgaſſe. 1. Auflage. Verlag von Franz Stage, Berlin 1857, Seite 142 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  3. P. K. Rosegger: Die Schriften des Waldschulmeisters. 1. Auflage. Verlag von Guſtav Heckenaſt, Peſt 1875, Seite 11 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  4. Birgit Weidinger: Fragen der Leser. In: Süddeutsche Zeitung. 6. August 2011, ISSN 0174-4917, Seite V2/2 (SZ Wochenende).
  5. fasnacht.uusegryffe. In: Basler Zeitung. Nummer 49, 27. Februar 2007, Seite 20.
  6. Joachim Riedl: Albtraum in Blau. In: Zeit Online. Nummer 1, 27. Dezember 2013, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 4. August 2021).
  7. Jaroslav Hašek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk während des Weltkrieges. 6. nach dem tschechischen Original überprüfte Auflage in einem Band, Dietz Verlag, Berlin [1962] (Originaltitel: Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války, übersetzt von Grete Reiner), Seite 200–201 (Zitiert nach Internet Archive; deutsche Erstausgabe 1926).
  8. Staberl. In: Neue Kronen Zeitung. 10. April 2000, Seite 6.
  9. Die andere Seite. In: profil. 31. August 2009, ISSN 1022-2111, Seite 32.

Redewendung, InterjektionBearbeiten

Worttrennung:

Pfei·fen·de·ckel

Aussprache:

IPA: [ˈp͡faɪ̯fn̩ˌdɛkl̩]
Hörbeispiele:   Pfeifendeckel (Info)

Bedeutungen:

[1] regional: drückt Enttäuschung darüber aus, dass die zuvor geäußerte Erwartung, der zuvor geäußerte Wunsch oder dergleichen nicht eingetreten ist, sondern genau das Gegenteil

Herkunft:

Der seit dem späten 19. Jahrhundert bezeugte idiomatische Ausdruck meint vielleicht, dass der/die Betreffende einen sinnbildlichen Deckel auf seine/ihre „Pfeife“ ‚Mund‘ tun – also: verstummen – solle.[1] Möglich ist auch, dass er mit der im ersten Abschnitt genannten zweiten Bedeutung in Zusammenhang steht.[1]

Synonyme:

[1] Deutschland umgangssprachlich: Pustekuchen, Pusteblume; seltener: Hustekuchen
[1] norddeutsch: Flötepiepen
[1] bairisch: Pfiffkas, Schnecken

Sinnverwandte Wörter:

[1] als ob, denkste, falsch gedacht, nichts da, von wegen, wohl kaum

Beispiele:

[1] „Der hat’n Verhältnis mit ’ner Platzanweiserin im Palast, und beim Schlagersingen in «Altbayern» hat er ’n zweiten Preis gemacht, und vorher isser mit der Barfrau vom «Clou» gegangen, jawohl, mit deiner Freundin Effi, die du angeblich so genau kennst, aber Pfeifendeckel![2]
[1] „Schließlich, so hofften die Ballveranstalter, die Maschkera-Produzenten und die sonstigen Zulieferer der Gaudi-Industrie, die Luftschlangenschneider und die Konfettischnipsler etwa, muß nach der Abstinenz des Golfkriegs-Jahres das Temperament doch überschäumen, müssen die Tanzbeine ganz besonders heftig jucken. Pfeifendeckel![3]
[1] „Wird vor diesem Hintergrund langsam umgedacht? Pfeifendeckel.[4]
[1] „Und? Sind dadurch neue Arbeitsplätze entstanden? Pfeifendeckel![5]
[1] „Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch? Ja, Pfeifendeckel, wo Gefahr ist, da wächst schon bei Molière nur noch das Fundamentalistische.“[6]
[1] „Haben die jemals 15 Millionen vom BMU gekriegt, um ihre Elektroleichtmobile zu optimieren? Pfeifendeckel.[7]
[1] «Und hat es etwas genützt? Pfeifendeckel!»[8]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] aber, doch Pfeifendeckel!
[1] ja, Pfeifendeckel!

ÜbersetzungenBearbeiten

[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Pfeifendeckel
[1] Duden online „Pfeifendeckel
[1] Hermann Fischer, Wilhelm Pfleiderer: Schwäbisches Wörterbuch. In 6 Bänden. Laupp, Tübingen 1904–1936, DNB 560474512, Erster Band. A. B. P., Stichwort »Pfeifeⁿ-deckel«, Spalte 1029.
[1] Lothringisches Wörterbuch „Piffe-deckel!“, Leipzig 1909, Spalte 42b.
[1] Josef Müller (Bearbeiter und Herausgeber), ab Band Ⅶ herausgegeben von Karl Meisen, Heinrich Dittmaier und Matthias Zender: Rheinisches Wörterbuch. 9 Bände. Bonn und Berlin 1928–1971, Stichwort „Pfeifen-deckel“. (Band 6 [1944], Spalte 691)
[1] Hans Wanner [Leitung] et al.: Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der ANTIQUARISCHEN GESELLSCHAFT IN ZÜRICH unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 12. Band: D- (T-) bis D-m (T-m), Huber, Frauenfeld 1961, DNB 881173657 (Digitalisat), Stichwörter »Dechel: Pfîffeⁿ-dechel«, Spalte 196.
[1] Ernst Christmann (Begründer), fortgeführt von Julius Krämer, bearbeitet von Rudolf Post; unter Mitarbeit von Josef Schwing und Sigrid Bingenheimer: Pfälzisches Wörterbuch. 6 Bände und ein Beiheft. Stuttgart 1965–1998, Stichwort „Pfeifen-deckel“. (Band 1, Spalte 808–809)
[1] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »Pfeifendeckel«.
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Pfeifendeckel«.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Pfeifendeckel«.
  2. Manfred Bieler: Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich. Roman. Biederstein Verlag, München 1969, Seite 150 (Zitiert nach Google Books).
  3. Die Gaudi macht keine Gaudi mehr. In: Süddeutsche Zeitung. 27. Februar 1992, ISSN 0174-4917.
  4. Rentenversicherung in bedrohlicher Schieflage: Die Verwaltung des Mangels. In: Nürnberger Zeitung. 23. Oktober 2002.
  5. Steffen Mack: „Unverschämtheit“ von Horst Köhler. In: Mannheimer Morgen. 19. März 2005.
  6. Filialleiter seiner eigenen Samenbank. In: Stuttgarter Zeitung. 19. Dezember 2007, Seite 29.
  7. Martin Unfried: Herr Gabriel, her mit den 15 Millionen! In: taz.die tageszeitung. Nummer 8622, 4. Juli 2008, ISSN 1434-4459, Seite 14 (tazzwei).
  8. Alle meine Schlüssel. In: NZZ am Sonntag. 8. August 2010, Seite 55 (NZZaS Archiv-URL, abgerufen am 4. August 2021).