fremdschämen

fremdschämen (Deutsch)Bearbeiten

VerbBearbeiten

Person Wortform
Präsens ich fremdschäme
du fremdschämst
er, sie, es fremdschämt
Präteritum ich fremdschämte
Konjunktiv II ich fremdschämte
Imperativ Singular fremdschäme!
Plural fremdschämt!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
fremdgeschämt haben
Alle weiteren Formen: Flexion:fremdschämen

Hinweis:

Das Wort „fremdschämen“ wurde in Österreich zum Wort des Jahres 2010 gekürt.

Worttrennung:

fremd·schä·men, Präteritum: schäm·te fremd, fremd·schäm·te, Partizip II: fremd·ge·schämt

Aussprache:

IPA: [ˈfʁɛmtˌʃɛːmən]
Hörbeispiele:   fremdschämen (Info)

Bedeutungen:

[1] reflexiv, umgangssprachlich: sich beispielsweise für etwas Peinliches, das ein anderer getan hat, an dessen Stelle schämen (etwa, weil er selbst es nicht tut)[1]

Herkunft:

Determinativkompositum (Zusammensetzung) aus dem Adjektiv fremd und dem Verb schämen
Das Wort ist im Deutschen ein Neologismus der 2000er Jahre[2]

Synonyme:

[1] sich für jemand anderen schämen

Beispiele:

[1] „Die volkskitschige Verehrung, die mit dieser Entwicklung dem Herrscherpaar entgegengebracht wurde (allerlei pompöser Kult um Sisi oder Luise von Preußen), hatte für feinfühlige Beobachter stets etwas Peinliches, etwas zum Fremdschämen Einladendes.“[3]
[1] Als meine Schwester sich vor den Augen des ganzen Professorenkollegiums erbrach, habe ich mich so fremdgeschämt.
[1] „…, du kannst dich für die Filme ihrer Generation begeistern, auch wenn du dich bei expliziten SexSzenen immer ein wenig fremdschämst.[4]
[1] „Da musste ich mich nicht fremdschämen, da reichte es völlig, dass ich mich schämte.“[5]
[1] „Mehr als einmal sind die beiden sich so einig, dass sie einander fistbumpen – der alte weiße Mann mit dem schwarzen Rapper – und keiner muss sich dafür fremdschämen.[6]
[1] „Wo sich der Österreicher früher gerne mal über die "wurschtäugigen" Vorbands beschwerte, die man auf Tour bei den Piefkes zu ertragen habe, sprach er in einem Interview jüngst von einer ganzen Riege vielversprechender junger deutscher Bands, für die sich nicht einmal er fremdschämen müsse.“[7]

Wortbildungen:

Fremdschämen

ÜbersetzungenBearbeiten

[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „fremdschämen
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalfremdschämen
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „fremdschämen
[1] Duden online „fremdschämen
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die deutsche Rechtschreibung. In: Der Duden in zwölf Bänden. 25. Auflage. Band 1, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5, Seite 453
[1] Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche: Clara Richter: Fremdschämen. In: Deutsche Welle. 31. Januar 2020 (Text und Audio zum Download, Dauer: 01:25 mm:ss, URL, abgerufen am 31. Januar 2020).

Quellen:

  1. Edo Reents: Scham als Volkssport, in: FAZ, 16. Juli 2009
  2. Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – fremdschämen: Neologismus der 2000er Jahre
  3. Adam Soboczynski: Der profane Liebhaber, in: Die Zeit, 12. März 2009
  4. Alle unter eine Tanne, Lo Malinke. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  5. Andreas Altmann: Gebrauchsanweisung für die Welt. 8. Auflage. Piper, München/Berlin/Zürich 2016, ISBN 978-3-492-27608-5, Seite 45. Erstauflage 2012.
  6. Dominic Holzer: US-Präsidentschaftswahl – Killer Mike glänzt als politischer Interviewer. In: Bayerischer Rundfunk. 16. Dezember 2015 (URL, abgerufen am 31. Januar 2020).
  7. Malte Borgmann: Zwischen Euphorie und Sabotage. In: Bayerischer Rundfunk. 16. Mai 2014 (URL, abgerufen am 31. Januar 2020).