faustdick (Deutsch)Bearbeiten

AdjektivBearbeiten

Positiv Komparativ Superlativ
faustdick faustdicker am faustdicksten
Alle weiteren Formen: Flexion:faustdick

Worttrennung:

faust·dick, Komparativ: faust·di·cker, Superlativ: am faust·dicks·ten

Aussprache:

IPA: [ˌfaʊ̯stˈdɪk],[1][2] [ˈfaʊ̯stˌdɪk],[2] [ˈfaʊ̯stˈdɪk][3]
Hörbeispiele:   faustdick (Info),   faustdick (Info)

Bedeutungen:

[1] die (ungefähre) Dicke einer Faust aufweisend, von der (ungefähren) Dicke einer Faust
[2] umgangssprachlich: auf recht ungenierte, offensichtliche Art frech, unverschämt beziehungsweise plump
[3] umgangssprachlich: in seinem Ausmaß sehr groß beziehungsweise unerwartet

Herkunft:

Das seit dem 18. Jahrhundert bezeugte Adjektiv wurde zunächst als Maßangabe verwendet, später dann oft bildlich.[4][5] In der zweiten und dritten Bedeutung ist die Faust Sinnbild der Grobheit und Gewichtigkeit.[6] Aus der Bedeutung ‚gewichtig‘ entwickelt sich die Geltung eines allgemeinen Steigerungswertes.[6]

Sinnverwandte Wörter:

[1] faustgroß
[2] dreist, plump, tolldreist
[3] handfest

Gegenwörter:

[1] mickrig, spindeldürr

Oberbegriffe:

[1] dick

Beispiele:

[1] „Bei einem Patienten verschwanden faustdicke Geschwülste in den Lymphdrüsen am Hals.“[7]
[1] „[‚]Unser täglich Brot…‘ – so lernten wir als Kinder beten, und wenn wir abends vor unsern Gitterbettchen knieten, so dachten wir wirklich an Brot, an die knusprigen Laibe, die man im kräftig duftenden Bäckerladen holte, und an die faustdicken Scheiben, die man nach stundenlangem Herumtollen heißhungrig verschlang.“[8]
[1] „Ich sägte zwei faustdicke Holzklötze von einem Stamm.“[9]
[1] „Natürlich hielt ihn keiner für weniger linksradikal, wenn er auf faustdicken Plateausohlen seinem Playboy-Schlitten entstieg, im Möbelhandel den kleinkapitalistischen Anreißer mimte, seinen unterirdischen Swimming-pool lobte oder Viermarkzigarren rauchte.“[10]
[1] „Die Fraktur ist schlecht verheilt: Während der Unterarm bis auf den Knochen abgemagert ist, wölbt sich dicht am Ellenbogen ein faustdicker Knoten unter der Haut.“[11]
[1] „Eine schlimmere Diagnose hätte sich Jutta Z. kaum vorstellen können: Direkt an ihrer Schädelbasis wucherte ein faustdicker Tumor.“[12]
[1] „Und damit der faustdicke Stapel Briefe nicht mehr nach Kaffee riecht, hat sie den ganzen Sommer über Rosenblüten gepflückt und zu den Briefen gelegt.“[13]
[1] „Wenn wir die Gießkanne zum Füllen im Wasser schwenkten, plumpsten faustdicke Frösche von den Sumpfblättern in die Tiefe, es klang dumpf, wie bei den Begräbnissen die Erdbrocken auf den Sargdeckeln, als wäre man bei seiner eigenen Beerdigung, als höre man den letzten Gruß der Schollen überm Kopf im Sarg.“[14]
[2] „Der hat freilich zum Dank dafuͤr ein paar fauſtdicke Grobheiten einſtecken muͤſſen!“[15]
[2] „Nur manchmal verheddern sie sich, nämlich immer dann, wenn die studentischen Zeigefinger allzu aggressiv ins Publikum gereckt werden oder wenn sie, drohend erhoben, moralische Sentenzen faustdick unterstreichen.“[16]
[2] „Sie fing jetzt an, mir faustdick ins Gesicht zu lügen.“[17]
[2] „Die faustdicksten Statistiklügen werden aus dem Schubfach ‚Kausalitätsbeweise‘ geholt.“[18]
[2] „Die haben ihm oft genug abgenommen, was er an Info-Häppchen, Halbwahrheiten oder faustdickem Geflunker aufgetischt hatte.“[19]
[2] „Aber da beim Streiten, dachte Sutter, ohne faustdicke Wörter nicht auszukommen ist, gehörten sie vielleicht zum gesunden Exzeß, der ihrem Leben gefehlt hatte; jedenfalls hatte man ihr das in der Salzburger Selbsterfahrung beizubringen versucht.“[20]
[2] „Es kommt aber darauf an, damit humorvoll zu leben und auch noch der faustdicksten Gemeinheit und der dümmsten Lüge etwas abzugewinnen.“[21]
[3] „Er hat faustdickes Glück gehabt.“[22]
[3] „Zwischen Bayern und Tirol ist ein faustdicker Streit um einen Golfplatz ausgebrochen.“[23]
[3] „Alles andere als ein klarer Heimsieg wäre wohl eine noch faustdickere Überraschung als die Ein-Spieltag-Tabellenführung des Aufsteigers.“[24]
[3] „Politisch bekommt es die SVP vielleicht am faustdicksten ab, aber nicht nur sie.“[25]

Redewendungen:

[1] es faustdick hinter den Ohren haben
[1] faustdick auftragen

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] ein faustdicker Ast, Knüppel, Stein; ein faustdicker Tumor, eine faustdicke Geschwulst
[2] eine faustdicke Beleidigung, Grobheit, Lüge, Schmeichelei
[3] ein faustdicker Skandal; eine faustdicke Sensation, Überraschung (  Audio (Info))

ÜbersetzungenBearbeiten

[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „faustdick
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „faustdick
[1, 2] The Free Dictionary „faustdick
[1–3] Duden online „faustdick
[1, 3] wissen.de – Wörterbuch „faustdick
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „faustdick
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalfaustdick
[1–3] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »faustdick«.
[2] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »faustdick«.
[1–3] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »faustdick«, Seite 596.

Quellen:

  1. Nach Stefan Kleiner, Ralf Knöbl und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 7., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage. Band 6, Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-04067-4, DNB 1070833770, Stichwort »faustdick«, Seite 364.
  2. 2,0 2,1 Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Stichwort »faustdick«, Seite 503.
  3. Nach Max Mangold und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 6. Auflage. Band 6, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7, DNB 975190849, Stichwort »faustdick«, Seite 325.
  4. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „faustdick“.
  5. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 5., neu bearbeitete Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »faustdick«, Seite 274.
  6. 6,0 6,1 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »faustdick«.
  7. Hoffnung und neue Rätsel. In: DER SPIEGEL. Nummer 46, 11. November 1953, ISSN 0038-7452, Seite 41 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 11. Januar 2020).
  8. Violet V. Blacker: Fische, die keiner fischt. In: DIE ZEIT. Nummer 11, 18. März 1954, ISSN 0044-2070, Seite 14 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 11. Januar 2020).
  9. Erwin Strittmatter: Pony Pedro. Kinderbuchverlag, Berlin 1959, Seite 140.
  10. Peter Brügge: „Ich wäre auch nach Griechenland gegangen“. In: DER SPIEGEL. Nummer 35, 26. August 1974, ISSN 0038-7452, Seite 92 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 11. Januar 2020).
  11. Religiöse Fanatiker brachen Mohammeds linken Arm. Opfer der Gewalt. In: Nürnberger Nachrichten. 20. Dezember 1995, Seite 11.
  12. Madeleine Welker: Erst der Ionen-Strahl brachte Jutta Z. die Hoffnung wieder. Eine neuartige Krebstherapie verspricht Gehirntumor-Patienten Hilfe. In: Mannheimer Morgen. 27. Juli 2000.
  13. Beate Dölling: Hör auf zu trommeln, Herz. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel/Berlin 2003, ISBN 978-3-407-80909-4, Seite 249.
  14. Herta Müller: Der König verneigt sich und tötet. Carl Hanser Verlag, München/Wien 2003, ISBN 3-446-20353-2, Seite 89.
  15. Lily Braun: Memoiren einer Sozialiſtin. Lehrjahre. Roman. Dreizehntes und vierzehntes Tauſend, Albert Langen, Muͤnchen 1909, Seite 349 (Zitiert nach Internet Archive).
  16. „Dicke Hunde und hohe Tiere“. In: Die Welt. 9. August 1949, ISSN 0173-8437, Seite 5 (Ausgabe Nord).
  17. Christiane F.; nach Tonbandprotokollen aufgeschrieben von Kai Hermann und Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. 3. Auflage. Gruner und Jahr, Hamburg 1979, ISBN 3-570-02391-5, Seite 244 (Erstveröffentlichung 1978).
  18. Thomas von Randow: Wie lügt man mit Statistik? In: DIE ZEIT. Nummer 04, 17. Januar 1986, ISSN 0044-2070, Seite 60 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 11. Januar 2020).
  19. Das Ende der FIFA-Diktatur. In: Süddeutsche Zeitung. Nummer 61, 14. März 1998, ISSN 0174-4917, Seite 58.
  20. Adolf Muschg: Sutters Glück. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003 (Suhrkamp-Taschenbuch ; 3442), ISBN 3-518-39942-X, Seite 190.
  21. »Ich bin klar im Kopf und im Herzen«. In: Westfalen-Blatt. 13. September 2013.
  22. Gisela Friedrichsen: Eine verschworene Gemeinschaft. In: DER SPIEGEL. Nummer 23, 7. Juni 1993, ISSN 0038-7452, Seite 91 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 11. Januar 2020).
  23. Karl Stankiewitz: Ein Golfplatz entzweit die Gemüter. In: Süddeutsche Zeitung. Nummer 205, 6. September 1995, ISSN 0174-4917, Seite 38.
  24. Spitzenspiel der krassen Gegensätze. In: Rheinische Post. 23. September 2014.
  25. Martin Preisser: Erdbeertörtchen mit Knoblauch. In: Appenzeller Zeitung. 6. April 2017.