zerficken (Deutsch)Bearbeiten

VerbBearbeiten

In der Gegenwartssprache findet „zerficken“ in den als „veraltet“ gekennzeichneten Bedeutungen keine Verwendung mehr.
Es taucht jedoch gelegentlich in historischen Quellen auch in diesen Bedeutungen auf.
In modern formulierten Texten sollte auf zeitgenössische Synonyme oder Umschreibungen zurückgegriffen werden.
Person Wortform
Präsens ich zerficke
du zerfickst
er, sie, es zerfickt
Präteritum ich zerfickte
Konjunktiv II ich zerfickte
Imperativ Singular zerficke!
Plural zerfickt!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
zerfickt haben
Alle weiteren Formen: Flexion:zerficken

Worttrennung:

zer·fi·cken, Präteritum: zer·fick·te, Partizip II: zer·fickt

Aussprache:

IPA: [t͡sɛɐ̯ˈfɪkn̩], [t͡sɛɐ̯ˈfɪkŋ̩]
Hörbeispiele:
Reime: -ɪkn̩

Bedeutungen:

[1] veraltet: in kleinste Teile reiben
[2] umgangssprachlich derb: etwas (durch einen Fick) kaputt- beziehungsweise zunichtemachen; übertragen: etwas auseinandernehmen, plattmachen
[3] umgangssprachlich derb: jemanden auseinandernehmen, herabsetzen, niedermachen, zugrunde richten

Herkunft:

Ableitung eines Präfixverbs zum Verb ficken mit dem Präfix zer-

Synonyme:

[1] zerreiben

Oberbegriffe:

[1, 2] ficken
[2, 3] zerstören

Beispiele:

[1] „Die Henckers-Knecht sich finden /
Ihn an die Gaulen binden.
Da wird er hart verstrickt /
Am ganzen Leib zerfickt.
Die Haut wird auffgeschmissen/
Das Fleisch wird auffgerissen /
Ist aller Zier beraubt /
Von Füssen biß auffs Haupt.“[1]
[2] Es gibt Leute, die sich ihre Beziehungen oder Ehen durch notorisches Fremdgehen regelrecht zerficken.
[2] „Als sie das Bett zerfickt hatten, schliefen sie auf dem Boden daneben / Da durchfickten sie den Erdboden und besuchten unten den Totenfürsten[…]“[2]
[2] „Er kennt die kleinen aidsverseuchten Schwestern, die sich für ein Stück Fleisch oder ein paar Münzen den Körper zerficken lassen[…]“[3]
[2] „Fettes Brot haben nämlich einen Plan: ‚Wir werden Tübingen nach alter Kunst zerficken. Das haben wir letztes Mal mit Halle gemacht. Denen brennts immer noch ein bisschen und Tübingen kann sich da auf einiges gefasst machen‘, so König Boris im Vorfeld.“[4]
[2] „Diese Demokratie, diese Herrschaft des Volkes ist einen Scheißdreck wert, wenn mit brutaler Polizeigewalt eben dieses Volk niedergeknüppelt wird, weil es sich das Resthirn noch nicht von BILD, RTL und der Atomlobby hat zerficken lassen und auch mal abseits der üblichen Verdächtigen auf die Straße geht.“[5]
[2] „Die meisten Horrorfilme funktionieren ja im Grunde genommen wie Kekswichsen: Irgendein verklemmter, pathologisch frigider Feigling wird vom Schicksal (oder einem blöden Zufall) auf die Probe gestellt und beweist in einer Art von abgefucktem Mannwerdungsritus, dass er nicht nur ‚lockerlassen‘ kann, sondern notfalls sogar bereit ist, die ganze Welt zu zerficken.[6]
[2] „Bereits bei Erscheinen steht der Inhalt geistig auf der Schwelle zum Überholtsein und mit dem folgenden Vierteljahrhundert wird er von einer heraufziehenden Moderne der Massen und der Reproduzierbarkeit regelrecht zerfickt, von Denkern wie André Breton, László Moholy-Nagy oder Walter Benjamin, um nur drei zu nennen.“[7]
[3] „Ich weiß, dass ihr Aids kriegt mit gutem Gewissen / wenn ich in Interviews höre, wie viel Crews sie zerficken / warum seid ihr nur so aggro drauf / wenn ihr den ganzen Tag nur chillt und Blunts anbaut? / und wenn ihr gern die anderen haut / wie wär’s, wenn ihr das Mic gegen ’nen Sandsack tauscht?“[8]
[3] „Und weil Sexualität trotz aller Aufklärung immer noch etwas Anrüchiges an sich hat, zieht es die kleinen Jungs in den Bann, die auch gerne alle ‚zerficken‘ würden, die sie ärgern.“[9]

ÜbersetzungenBearbeiten

[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „zerficken
[3] Karin Adam [Leitung]: PONS, Wörterbuch der deutschen Jugendsprache 2011. Begriffe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1. Auflage. PONS, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-12-010005-8, Seite 132.

Quellen:

  1. Johannes Dilatus: Marianische Kirchfahrt Zu dem Uralten Gnaden-Bild MARIÆ von Dörnern. Abgetheilet in den Anzug/Einzug/und Abzug. Druck Andreas Pega, Glatz 1682, Seite 49 (Zitiert nach Google Books).
  2. Cornelia Töpelmann: SHAN-KO, VON FENG MENG-LUNG. Eine Volksliedersammlung aus der Ming-Zeit. In: Münchener ostasiatische Studien. 9. Band, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1973, ISSN 0170-3668, Seite 266 (Zitiert nach Google Books).
  3. Dirk Bernemann: Satt. Sauber. Sicher. 1. Auflage. Ubooks-Verlag, Diedorf 2008, ISBN 978-3-86608-060-7, Seite 34 (Zitiert nach amazon.de).
  4. www.mtv.de: NEWS: FETTES BROT WOLLEN TÜBINGEN „ZERFICKEN“. 30. April 2008, abgerufen am 7. November 2012.
  5. Stuttgart 21 – Eskalation der Polizei und Regierung. In: FICKO. Magazin für gute Sachen, Und für schlechte. 01.10.2010 (URL, abgerufen am 7. November 2012).
  6. ML: ZOMBIES, NINJAS & HANS MOSER: HILLBILLY-HORROR UND TUCKER & DALES VS. EVIL. In: Vice Magazine. 14.02.2011 (URL, abgerufen am 7. November 2012).
  7. Michael Helming: Leichen Treppauf. Die Schriftsteller Hanns Heinz Ewers, Kurt Münzer, Alexander Moritz Frey und Hermann Rauschning. catware.net Verlag UG, Hage 2011, ISBN 978-3-941921-02-3, Seite 25 (Zitiert nach Google Books).
  8. Robert Kneschke: Sampler - Rap City Berlin. In: bloom Magazin. 16.08.2005 (URL, abgerufen am 7. November 2012).
  9. Nadja Hajir: Shake it!. Frauenbild und Sexismus in der Jugendkultur des HipHop. Diplomarbeit. 1. Auflage. GRIN Verlag/Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 978-3-638-73318-2, Seite 74 (Zitiert nach Google Books).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: verficken