Dieser Eintrag war in der 7. Woche
des Jahres 2010 das Wort der Woche.
Positiv Komparativ Superlativ
hager hagerer
hagrer
am hagersten
Alle weiteren Formen: Flexion:hager
 
[1] Bildnis eines hageren Mannes

Nebenformen:

landschaftlich: häger

Worttrennung:

ha·ger, Komparativ: ha·ge·rer, hag·rer, Superlativ: am ha·gers·ten

Aussprache:

IPA: [ˈhaːɡɐ]
Hörbeispiele:   hager (Info),   hager (Österreich) (Info)
Reime: -aːɡɐ

Bedeutungen:

[1] heute nur noch zur Beschreibung des menschlichen Körpers oder einzelner Körperteile, früher auch bei Tieren: dürr, mager, sehnig, knochig (und häufig groß gewachsen)

Herkunft:

Die Entstehung von hager ist nicht eindeutig zu klären. Es werden verschiedene Auffassungen vertreten:
Eine Quelle erklärt, dass die Form hager sich erstmals gegen Ende des 13. Jahrhunderts im Mitteldeutschen nachweisen lasse. Ab dem 16. Jahrhundert sei sie – jedoch nur ganz allmählich – ins Oberdeutsche vorgedrungen. Innerhalb und außerhalb der germanischen Sprachen seien verwandte Wörter nicht sicher nachzuweisen. Es könne daher nur spekuliert werden, ob eine Beziehung zum französischen hagard → fr (scheu, verstört), das vermutlich germanischen Ursprungs ist, und damit zu den hiervon abgeleiteten Wörtern haggard → en (hager, ungezähmt) aus dem Englischen und hagerd → nl (Beizvogel, der erst in höherem Alter eingefangen wurde) aus dem Niederländischen besteht. Verwandte Formen außerhalb der germanischen Sprachen könnten das avestische kasav- (klein) und das litauische kasėti → lt (abmagern, trocknen, welken) sein. Unter Zugrundelegung dieser Vermutungen könne auf eine indoeuropäische Wurzel *kak͟- (abmagern) geschlossen werden.[1]
Ein anderes Werk nimmt an, dass hager aus dem Niederdeutschen ins Hochdeutsche übernommen worden sei. Auch hier wird für die weitere Wortgeschichte wiederum auf das Avestische und das Litauische verwiesen. Es wird jedoch auf leicht abweichende Formen Bezug genommen: kasauu- (klein, gering) aus dem Avestischen und nukašėti → lt ‚völlig entkräftet werden‘ aus dem Litauischen. Nun wird jedoch ausgeführt, dass eine Verbindung zum Indoeuropäischen nicht zufriedenstellend sei. Besser sei es, an einen Bezug zum altindischen कृश (kṛśá-) → sa ‚hager‘ oder unter Umständen auch zum lateinischen gracilis → laschlank, schmal‘ zu denken, wofür dann ein indogermanisches *kraḱ-ro- vorausgesetzt werden müsste. Das stammhafte r wäre dann gegen das r des Suffixes dissimiliert worden oder es hätte eine Angleichung an mager stattgefunden.[2]

Gegenwörter:

[1] dick, feist, fett, korpulent, rundlich

Beispiele:

[1] Er ist ein hag(e)rer Bursche.
[1] Der alte Anwalt hat ein hag(e)res Gesicht.
[1] Stephan hat eine hag(e)re Gestalt.
[1] Der Bauer hat nur hag(e)re Rinder auf der Weide.

Wortbildungen:

Hagerkeit

Übersetzungen

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[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „hager
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „hager
[1] The Free Dictionary „hager
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalhager

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „hager“, Seite 494 f.
  2. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, „hager“, Seite 383

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Haiger