Bise (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, fBearbeiten

Singular Plural
Nominativ die Bise die Bisen
Genitiv der Bise der Bisen
Dativ der Bise den Bisen
Akkusativ die Bise die Bisen

Anmerkung:

Der Plural ist ungebräuchlich. – Mundartlich, nie aber schriftsprachlich kommt da und dort auch maskulines Genus vor.[1]

Worttrennung:

Bi·se, Plural: Bi·sen

Aussprache:

IPA: [ˈbiːzə], im Raum, wo das Wort üblich ist: [ˈbiːz̥ə]
Hörbeispiele:
Reime: -iːzə

Bedeutungen:

[1] Meteorologie, Südwestdeutschland, Schweiz, Liechtenstein, Vorarlberg: ein kalter und trockener, in der Regel aus Norden, Nordosten oder Osten wehender und gewöhnlich aufhellender Wind
[2] Meteorologie, Fachsprache, Schweiz: ein im Schweizer Mittelland vorkommender, aus Nordosten wehender Regionalwind
[3] veraltet, Schweiz: die Himmelsrichtung, woher der Wind weht

Herkunft:

Das Wort findet sich erstmals spätalthochdeutsch bīsa bei Notker III. von St. Gallen belegt; mittelhochdeutsch (nur oberdeutsch) bîse. Es gehört dem Alemannischen an[2] und ist von dort auch ins Schweizerhochdeutsche gelangt[3].
Die Herkunft von Bise ist unsicher. Am ehesten gehört es zur Wortsippe des nur aus Glossen bekannten althochdeutschen bĭsōn ‚umher-, einherstürmen‘. Sowohl der Versuch, das Wort als Entlehnung aus dem Galloromanischen herzuleiten, wie auch der Versuch, es mit Brise zu verbinden, dürfen als gescheitert gelten.[4] Die schon in älteren Drucken vorkommende Schreibung «Beißwind», die Anschluss an das Verb beißen sucht, ist volksetymologisch.

Synonyme:

[1, 2] Bisluft, Biswind
[3] Nordosten, Norden, Osten

Oberbegriffe:

[1, 2] Wind
[3] Himmelsrichtung

Beispiele:

[1] „Nach dem Walliser Volksglauben ist die Bise erst seit der Reformation ins Land gekommen; mit der Kälte im Glauben sei auch Kälte in der Natur eingetreten.“[5]
[2] „In der Meteorologie wird immer die Richtung genannt, wo der Wind her kommt. Der Nordwind ist ein allgemeiner Wind, der aus Norden kommt. Der Nordföhn ist ein typischer Fallwind im Tessin. Er ist zusätzlich an die Bedingung geknüpft, dass von Norden her feuchte Luft an der Alpennordseite aufsteigt und im Süden als trockener Fallwind wieder absinkt. Die Bise letztlich ist ein Nordostwind im Mittelland. Streng genommen ist es ein Regionalwind, der nur im Mittelland vorkommen kann. In der Nordwestschweiz wird auch von Bise gesprochen, eigentlich ist es dort aber einfach ein Nordost- oder Ostwind.“[6]
[3] „Gegen Bisen“, in zwei 1720 und 1763 vorgenommenen Grenzbereinigungen zwischen Bern und Freiburg.[5]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1, 2] Die Bise bläst, herrscht, weht, zieht; eine kalte Bise

Wortbildungen:

Bisluft, Biswind, bisig

ÜbersetzungenBearbeiten

[1, 2] Wikipedia-Artikel „Bise
[1] Ernst Ochs (Bearbeiter); Friedrich Kluge, Alfred Götze, Ludwig Sütterlin, Friedrich Wilhelm, Ernst Ochs (Vorbereiter): Badisches Wörterbuch. Erster Band: A, B/P, D/T, E, Verlag von Moritz Schauenburg, Lahr (Schwarzwald) 1925–1942, DNB 36871618X, Seite 238, Artikel Bise.
[1–3] Albert Bachmann [Leitung] et al.: Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der ANTIQUARISCHEN GESELLSCHAFT IN ZÜRICH unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 4. Band: M, N, B/P (Bu), Huber, Frauenfeld 1901, DNB 948902116 (Digitalisat), Spalte 1682 f., Artikel Bīs I (Digitalisat).
[1] Vorarlbergisches Wörterbuch, Band I, Spalte 363, Artikel Bise II.
[1, 2] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2016, ISBN 978-3-11-024543-1, DNB 108083964X Stichwort „Bise“, Seite 119.
[1, 2] Hans Bickel, Christoph Landolt; Schweizerischer Verein für die deutsche Sprache (Herausgeber): Duden, Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-411-70418-7 „Bise“, Seite 24.
[1, 2] Kurt Meyer: Schweizer Wörterbuch. So sagen wir in der Schweiz. Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2006, ISBN 978-3-7193-1382-1, Stichwort „Bise“, Seite 88.
[1, 2] Deutsches Wörterbuch, Band 2V, Spalte 300, Artikel Bise.
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Bise
[1, 2] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalBise
[1, 2] Duden online „Bise

Quellen:

  1. Schweizerisches Idiotikon Band IV, Spalte 1682, Artikel Bīs I (Digitalisat).
  2. Vgl. Schweizerisches Idiotikon, Band IV, Spalte 1682 f., Artikel Bīs I (Digitalisat) und Band XVI, Spalte 520 ff., Artikel Bīswind (Digitalisat); Vorarlbergisches Wörterbuch, Band I, Spalte 363, Artikel Bise II; Badisches Wörterbuch, Band I, Seite 238, Artikel Bise und Seite 239, Artikel Biswind; Deutsches Wörterbuch, Band 2V, Spalte 300, Artikel Bise.
  3. Hans Bickel, Christoph Landolt; Schweizerischer Verein für die deutsche Sprache (Herausgeber): Duden, Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-411-70418-7 „Bise“, Seite 24.
  4. Abschnitt (mit weiterführenden Literaturangaben) nach Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band II. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Zürich, ISBN 3-525-20768-9, Sp. 106 f.
  5. 5,0 5,1 Schweizerisches Idiotikon, Band IV, Spalte 1683 (Digitalisat).
  6. Radio SRF – Wie unterscheiden sich Nordwind, Nordföhn und Bise? (abgerufen am 25. März 2020).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

Anagramme: Beis, sieb, Sieb