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Menetekel (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, nBearbeiten

Singular Plural
Nominativ das Menetekel die Menetekel
Genitiv des Menetekels der Menetekel
Dativ dem Menetekel den Menetekeln
Akkusativ das Menetekel die Menetekel
 
[1] „Das Gastmahl des Belsazar“ (1635) von Rembrandt stellt die biblische Szene dar, in der dem babylonischen Regenten Belšazar durch eine geheimnisvolle Schrift an der Wand, das Menetekel, sein naher Tod und der Untergang seines Reiches prophezeit wird

Worttrennung:

Me·ne·te·kel, Plural: Me·ne·te·kel

Aussprache:

IPA: [ˌmeneˈteːkl̩][1][2]
Hörbeispiele:
Reime: -eːkl̩

Bedeutungen:

[1] gehoben: (geheimnisvolles) warnendes Vorzeichen eines drohenden Unheils, ernstes Warnzeichen

Herkunft:

Der Ausdruck wird im 15. Jahrhundert mit den ersten Bibelübersetzungen im Deutschen bekannt.[3] Zugrunde liegen die Anfangsworte einer durch das Alte Testament (Daniel 5,25-28 LUT) überlieferten aramäischen Formel מנא מנא תקל ופרסין → arc,[4] einer Geisterinschrift, die dem babylonischen König Belšazar bei einem Gastmahl an der Wand erscheint und ihm sein bevorstehendes Schicksal ankündigen soll.[3][5] Die Verwendung der Anfangswörter zur Bezeichnung des ganzen Textes entspricht der von Vaterunser.[5] (Für eine eingehendere Analyse siehe Evangelia G. Dafni: Mene-tekel-uparsin. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Herausgeber): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex). Stuttgart, Mai 2009 (URL).)
Der Belšazarstoff wurde öfter literarisch bearbeitet.[6] Besonders bekannt ist das Gedicht »Belsatzar« von Heinrich Heine.[6] Der deutsche Dramatiker Friedrich Wolf gab einer Erzählung den Titel »Menetekel«.[6] Ins Scherzhafte gewendet erscheint das Thema in dem Vierzeiler »Zwei Schweinekarbonaden« von Joachim Ringelnatz.[6]

Sinnverwandte Wörter:

[1] Mahnzeichen, Vorwarnung, Warnzeichen
[1] bildungssprachlich: Memento, böses Omen

Oberbegriffe:

[1] Anzeichen, Zeichen

Beispiele:

[1] Kometen galten lange Zeit als Menetekel bevorstehenden Unglücks.
[1] „Selbst sein Pathos der freien Person wirkt wie ein Menetekel gegen jede Verwechslung oder Vermischung von Kollektivität mit Herde und Herdencharakter.“[7]
[1] „Nun aber stand Ballas endgültige Ablehnung kompakt vor der Haustür, unter einem Plankengerüst, ein Menetekel aus Eisen, das den Betrachter aus beiden Scheinwerferkappen kalt, drohend, seltsam geheimnisvoll anglotzte.“[8]
[1] „Weimar funktioniert darin als Menetekel der politischen Ethik – was einem blüht, wenn’s an demokratischer Mitte fehlt, wenn illiberale Kräfte zu stark werden, wenn die Arbeiterparteien sich zerfleischen, wenn das Monopolkapital nicht mehr weiterweiß etc.“[9]
[1] „Während des Abendessens in der Kongreßhaus-Cafeteria hatte es einen Augenblick gegeben, da sie plötzlich alle froren und auf den Lautsprecher an der Wand starrten, der das Menetekel verkündete.“[10]
[1] „An diesen Satz musste Helga oft denken. Wie eine Feuerschrift, wie ein Menetekel an der Wand stand er vor ihr, wann immer sie die Augen schloss und die Verzweiflung ihr die Kehle zudrückte.“[11]
[1] „Die Tatsache, dass niemand wusste, wer oder was Kilroy eigentlich sein sollte, hinderte Schüler nicht daran, das mysteriöse Menetekel von geradezu emblematischer Sinnlosigkeit in der ganzen Welt zu verbreiten.“[12]
[1] „Hier zählen auch Symbole – und da ist der Abstieg aus dem exklusiven Kreis der besten Schuldner der Erde ein Menetekel.[13]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] jemanden/etwas als Menetekel an die Wand malen

Wortbildungen:

Adjektive/Adverbien: menetekelhaft
Verben: menetekeln

ÜbersetzungenBearbeiten

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Menetekel
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Menetekel
[*] canoo.net „Menetekel
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Menetekel
[1] The Free Dictionary „Menetekel
[1] Duden online „Menetekel
[1] wissen.de – Wörterbuch „Menetekel
[1] Wahrig Fremdwörterlexikon „Menetekel“ auf wissen.de
[1] wissen.de – Lexikon „Menetekel
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Menetekel
[1] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Stichwort »Menetekel«, Seite 583.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Fremdwörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 9. Auflage. Band 5, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04059-9, DNB 98178948X (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Stichwort »Menetekel«, Seite 867.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die deutsche Rechtschreibung. In: Der Duden in zwölf Bänden. 25. Auflage. Band 1, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2011, ISBN 978-3-411-05507-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.

Quellen:

  1. Stefan Kleiner, Ralf Knöbl und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 7., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage. Band 6, Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-04067-4, DNB 1070833770, Stichwort »Menetekel«, Seite 594.
  2. Nach Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Stichwort »Menetekel«, Seite 737.
  3. 3,0 3,1 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Menetekel“.
  4. Tenach: Daniel 5,25 (online)
  5. 5,0 5,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Menetekel«, Seite 612.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Menetekel«.
  7. Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung. 2. Band, Aufbau Verlag, Berlin 1955, Seite 112.
  8. Erik Neutsch: Spur der Steine. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1964, Seite 340.
  9. Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft. 1. Auflage. Band 2, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-11099-3, Seite 706.
  10. Arthur Koestler: Die Herren Call-Girls. Ein satirischer Roman. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985 (Originaltitel: The Call-Girls, übersetzt von Gert Woerner aus dem Englischen), ISBN 3-596-28168-7, Seite 198 (Lizenzausgabe des Scherz-Verlag, Bern/München; Copyright des englischen Originals 1971).
  11. Utta Danella: Das Hotel im Park. Roman. 1. Auflage. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1989, ISBN 3-455-01362-7, Seite 354.
  12. Bodo Mrozek: Lexikon der bedrohten Wörter. [Band] Ⅱ, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 978-3-499-62193-2, Stichwort »Kilroy«, Seite 84.
    Die Abkürzung im Originalsatz wurde aufgelöst.
  13. Andreas Geldner: Angstvoller Blick in den Strudel. In: Eichsfelder Tageblatt. Nummer 183, 8. August 2011, Seite 4.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 3: Menestrel