Nuvola apps korganizer.svg Dieser Eintrag war in der 43. Woche
des Jahres 2021 das Wort der Woche.

Impfneid (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, mBearbeiten

Singular Plural
Nominativ der Impfneid
Genitiv des Impfneids
des Impfneides
Dativ dem Impfneid
Akkusativ den Impfneid

Worttrennung:

Impf·neid, kein Plural

Aussprache:

IPA: [ˈɪmp͡fˌnaɪ̯t]
Hörbeispiele:   Impfneid (Info)

Bedeutungen:

[1] intensiver negativer Gefühlszustand, der entstehen kann, wenn ein Mensch einem anderen Menschen eine wichtige Schutzimpfung missgönnt, die er selber noch nicht erhalten konnte

Herkunft:

Determinativkompositum aus dem Wortstamm des Verbs impfen und dem Substantiv Neid
Der Begriff tauchte erstmals im Laufe der Coronapandemie gegen Ende des Jahres 2020 auf, als wegen noch nicht ausreichend vorhandener Impfstoffmengen eine Impfpriorisierung festgelegt werden musste und in späterer Folge ab Februar 2021 dann auch, als Diskussionen darüber entbrannten, ob man für bereits vollständig geimpfte Menschen die Einschränkungen von Grundrechten wieder lockern oder größtenteils sogar aufheben kann oder muss, während ein recht großer Teil der Bevölkerung noch immer nicht geimpft werden konnte.

Oberbegriffe:

[1] Neid

Beispiele:

[1] „Es macht vermutlich wenig Sinn, Leuten mit Impfneid zu erklären, dass diejenigen, die jetzt schon geimpft sind, allergrößtenteils gute Gründe dafür haben, und dass die Impfneidischen diese Gründe wahrscheinlich nicht gern selbst hätten: chronische Krankheiten, riskante Jobs, pflegebedürftige Angehörige und so weiter.“[1]
[1] „Von weggeworfenen Impfdosen hört man hier nichts, mit Diskussionen über ‚Impfneid‘ und ‚Drängler‘ halten sich die Amerikaner nicht mehr auf. Wer will, kommt dran.“[2]
[1] „Warum wird sie geimpft und nicht ich? Warum dürfte er früher in die Kneipe als ich? Wie man sich auch ohne Termin gegen Impfneid und seine Mutanten schützen kann.“[3]
[1] „Dabei war spätestens seit der Stellungnahme des Ethikrats von Anfang Februar diesen Jahres (!) klar, dass es aus juristischer Sicht keine Rechtfertigung dafür gibt, die Grundrechte für alle zweifach Geimpften weiterhin einzuschränken. Warum war man in Berlin auf dieses Szenario und seine gesellschaftlichen Folgen in Gestalt von Impfneid, nachlassender Disziplin und sozialem Sprengstoff nicht vorbereitet?“[4]
[1] „Als gesellschaftliches Phänomen war der Impfneid in Deutschland vom Herbst 2020 an zu spüren, als andere Länder entweder schneller waren, einen Impfstoff zu entwickeln (Russland), zuzulassen (Großbritannien, USA) oder einzusetzen (Israel). Inzwischen bietet das digitale Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts manchen Medien Anlass, den föderalen Impfneid zu befeuern, denn es zeigt täglich, welches Bundesland wie viele Einwohner geimpft hat.“[5]

ÜbersetzungenBearbeiten

[*] Wikipedia-Suchergebnisse für „Impfneid

Quellen:

  1. Margarete Stokowski: Neiddebatte – Ich wurde geimpft. In: Spiegel Online. 27. April 2021, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 29. April 2021).
  2. Jens Meiners: Lockdown für immer? Nicht in New York: Wie schön sich Normalität anfühlt. In: FOCUS Online. 29. April 2021, ISSN 0943-7576 (URL, abgerufen am 29. April 2021).
  3. Fiona Weber-Steinhaus: Gift für die Gesellschaft. In: Zeit Online. 14. Februar 2021, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 29. April 2021).
  4. Heike Schmoll: Vor der großen Enttäuschung. In: FAZ.NET. 27. April 2021, ISSN 0174-4909 (URL, abgerufen am 29. April 2021).
  5. Claudia Henzler: Aktuelles Lexikon. Impfneid. In: sueddeutsche.de. 19. Januar 2021, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 29. April 2021).