Psychon (Deutsch)Bearbeiten

Substantiv, nBearbeiten

Singular

Plural

Nominativ das Psychon

die Psychonen

Genitiv des Psychons

der Psychonen

Dativ dem Psychon

den Psychonen

Akkusativ das Psychon

die Psychonen

Worttrennung:

Psy·chon, Plural: Psy·cho·nen

Aussprache:

IPA: [psyˈçoːn]
Hörbeispiele:
Reime: -oːn

Bedeutungen:

[1] Neurologie, Philosophie des Geistes, Naturphilosophie: die kleinste Einheit von mentalen Ereignissen oder Erlebnissen (nach dem australischen Neurophysiologen und Medizinnobelpreisträger John C. Eccles)

Herkunft:

Eccles räumte bereits in dem Gemeinschaftswerk mit Karl R. Popper „Das Ich und sein Gehirn“ (1977) ein, dass seine dort für psychophysische beziehungsweise psychobiologische Wechselwirkungen als verantwortlich postulierten „Liaison-Hirnareale“ auf dem Stand der Forschung (noch) nicht lokalisiert werden konnten. Eccles wurde sich zunehmend bewusst, dass mit diesem Ansatz das Problem der Wechselwirkung von Körper und Geist nicht zu lösen war. Deswegen entwickelte er Anfang der 1990er Jahre einen differenzierteren, auf quantenmechanischen Annahmen basierenden Lösungsweg. Im Zentrum dieses Lösungsansatzes stand das „Psychon“ – ein von ihm selbst geprägter Begriff – als kleinster mentaler Entität. Dieses Konzept stellte er in seinem Werk „How the Self Controls its Brain“ (1994) dar.[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] Dendron

Beispiele:

[1] „Im Zentrum dieses neuerlichen Versuchs, das Kernproblem des Dualismus aufzuklären, steht der von Eccles geprägte Begriff des ‚Psychons‘. Als Psychon bezeichnet er die kleinsten mentalen Entitäten. […] Entscheidend an diesem späteren Eccles’schen Erklärungsansatz ist, dass er ‚eine lokal auf die Großhirnrinde begrenzte psychophysische Wechselwirkung zwischen Psychonen und Mikrostrukturen der Nervenzellen annimmt.‘“[2]
[1] „Ein ‚Psychon‘ (wie er eine angeblich völlig autonom existierende mentale Einheit nennt), sagt er, ‚durchdringe‘ jeweils ein ‚Dendron‘, nämlich ein Bündel von Dendriten in der Großhirnrinde (Dendriten sind die ‚Empfangsantennen‘ der Neuronen), und löse damit ein neurales Ereignis aus.“[3]
[1] „John Eccles, der 1963 für die Erforschung der Erregungsübertragung an den Synapsen der Nervenzellen den Nobelpreis erhielt, scheute sich allerdings, dieses Nervenzellennetzwerk für unser Bewusstsein verantwortlich zu machen. Geleitet von seinem philosophischen Interesse, aber ohne jegliche neurobiologische Untermauerung postulierte er das »Psychon« als elementaren Träger unserer psychischen Funktionen.“[4]
[1] „Das planende oder systematisierende Psychon aktiviert das Willenspsychon, das seinerseits das motorische System kontrolliert. Das Ganze steht unter der Kontrolle von Bewußtsein und auf das Lebewesen einwirkenden Sinnesempfindungen.“[5]
[1] „Jedes Psychon wirkt mit seiner eigenen, inividuellen Erfahrung nicht nur an den ca. 1000 Boutons einer Pyramidenzelle, sondern an einem Dendron.“[6]
[1] Das Eccles’sche Konzept der Psychonen ist eine weitere dualistische Interaktionismus-Theorie des Körper-Geist-Problemes, die genau so scheitern wird wie die erste dieser Theorien, die Zirbeldrüsen-Theorie von René Descartes.

ÜbersetzungenBearbeiten

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Psychon“ (Korpusbelege)

Quellen:

  1. Vergleiche: Friedhelm Decher: Handbuch der Philosophie des Geistes. Darmstadt 2015, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 978-3-534-26741-5, Seite 231, Kapitel „Dualismus Reloaded“ „Der Geist zwischen den Welten: Karl R. Popper und John C. Eccles
  2. Friedhelm Decher: Handbuch der Philosophie des Geistes. Darmstadt 2015, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 978-3-534-26741-5, Seite 231, Kapitel „Dualismus Reloaded“ „Der Geist zwischen den Welten: Karl R. Popper und John C. Eccles
  3. Die Zeit, 13.07.1990, Nr. 29; zitiert nach: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Psychon
  4. Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn: Wie wir denken, leiden und lieben, 2013, ISBN 3426421984, ohne Seitenangabe
  5. Mario Bunge: Das Leib-Seele-Problem: ein psychobiologischer Versuch. 1984. ISBN 3169448714, Seite 229
  6. Rolf Oster: Bioinformation auf verschiedenen Verarbeitungsebenen. 1998. ISBN 3832407189. Seite 45