Diskussion:Dienstagfrüh

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Gemäß § 55(6) gilt die Großschreibung auch „für Ausdrücke, die als Bezeichnung von Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen auftreten“. Neben morgen wird extra übermorgen und neben gestern extra vorgestern aufgezählt, allerdings kann Abend bzw. [ˈaːbn̩t] ja auch nach neulich (!), überübermorgen und vorvorgestern auftreten. In diesen Fällen wäre Großschreibung sicher ebenfalls angebracht. Wie sieht es mit Abend nach einem Substantiv wie Dienstag aus?

1996 fand sich im amtlichen Wörterverzeichnis „Dienstagabend; am Dienstagabend*; an diesem, jedem Dienstagabend*; diesen, jeden Dienstagabend*; eines Dienstagabends“ (in der Tat kann hier ein Kompositum gesehen werden: Dienstagabend ‚Abend des Dienstags‘), eine zu heute Abend ‚heute am Abend‘ analoge Getrenntschreibung am Dienstag Abend ‚abends am Dienstag‘ findet sich da bis heute nicht. Das Sternchen kennzeichnete eine Änderung gegenüber der alten Schreibung (früher wurde ein nachgestelltes abend verwendet, zum Beispiel heute abend und Dienstag abend), die Zusammenschreibung konnte vor der Reform aber nicht nur in Fällen wie eines Dienstagabends oder zum Beispiel Dienstagabende verwendet werden, in denen eine Getrenntschreibung unmöglich war (*eines Dienstag abends, *Dienstag abende) – im Rechtschreibduden 1991 stand im Eintrag Dienstagabend „am - hat sie Gesangstunde, am Donnerstagabend hat sie frei“. Ein Adverb dienstagabends war im Rechtschreibduden 1991 nicht verzeichnet, aber wenn es schon Dienstagabend gibt, lässt sich daraus einwandfrei dienstagabends ableiten. canoonet hat dagegen zu Dienstagabend und dienstagabends den Vermerk „Neu, nach Reform einzige Variante“ und unter korrekturen.de fehlt in der Spalte „Rechtschreibung bis 1996“ die Schreibweise Dienstagabend.

Die Sternchenmarkierung könnte damit begründet werden, dass Dienstagabend allgemein als Ersatz für die alte Schreibweise Dienstag abend dienen soll (demnach wäre reformiert „Sie kommt Dienstagabend“ korrekt). Eine solche Darstellung wäre aber irreführend, speziell die Schreibweise am Dienstagabend ist ja eben nicht neu und der Fall, dass Dienstag ohne am, diesen, jeden etc. davor auftritt, wird im Regelwerk überhaupt nicht abgehandelt. (So fehlt auch Dienstag abends als Variante von dienstagabends. Ähnlich geartet: Neben drei viertel Stunden und drei Viertelstunden ist auch die Konstruktion drei Viertel Stunden denkbar, mit drei Viertel als Maßzahlangabe und Stunde als Einheitenname. Sie fehlt im amtlichen Wörterverzeichnis, jedoch ist ein Viertel Stunden anstelle von eine viertel Stunde/eine Viertelstunde unüblich.) Wir haben es hier eher mit einem Irrtum zu tun, die Sternchenmarkierung wird aber sowieso nicht mehr verwendet. Duden online ging früher auch in diesem Fall von einer Zusammenschreibung aus, mittlerweile ist das Beispiel „sie kommt Dienstagabend“ zu „sie kommt Dienstag [am] Abend“ korrigiert worden. Letzteres entspricht der Auffassung im „Fragen und Antworten“-Bereich des Rechtschreibrats: „In wir treffen uns Dienstag Abend [sic; das wir befindet sich außerhalb der i-Tags] ist Abend eine nähere Bestimmung und dementsprechend wird Abend wie in heute Abend getrennt und großgeschrieben.“ In der Tat würden wir ja kaum „Sie kommt Abend“ (statt „Sie kommt am Abend“) sagen, dafür geht „Sie kommt Dienstag“, sodass „Sie kommt Dienstag Abend“ sinnvoll erscheint. Ickler:

Die neue Deutung auf der Website des Rechtschreibrates, […], hat keine Grundlage im amtlichen Regelwerk und Wörterverzeichnis. Dort ist nirgendwo von Artikeln oder Pronomina die Rede. Im Bericht des Rates von 2010 heißt es: "Bei Dienstagabend weisen die Korpora übereinstimmend eine Normentsprechung von >95% seit dem Jahr 2001 auf." Das kann sich ja nur auf den neuverordneten adverbialen Gebrauch beziehen, denn "der Dienstagabend" usw. wurde ja wohl schon immer zusammengeschrieben. […] Die Reformer haben, soviel ich weiß, an keiner Stelle klar gesagt, daß ihre Regeln jahrelang falsch verstanden oder später im Sinne meiner Reductio ad absurdum geändert worden sind.

Das überzeugt mich von der alten Deutung nicht. Soweit ich weiß, haben die Reformer auch der neuen Deutung nie widersprochen, und was die Korpusuntersuchung angeht, so konnte vor der Reform ja zum Beispiel auch nächsten Dienstag abend geschrieben werden. Trotz der Änderung zu „sie kommt Dienstag [am] Abend“ findet sich in Duden online nach wie vor „wir haben davon erst Dienstagfrüh aus der Zeitung erfahren“. Nun kann ich zwar „Ich stehe früh auf“ sagen und hier ließe sich anstelle von früh ein Substantiv Früh wie das Substantiv Dienstag in „Ich komme Dienstag“ denken, aber eine Großschreibung bietet Duden in so einem Fall gar nicht an, vielmehr wird Früh analog zu Abend behandelt („morgen früh, besonders österreichisch auch morgen Früh schlafe ich aus“), sodass mit dem Wegfall von „sie kommt Dienstagabend“ auch Dienstagfrüh wegfallen sollte – außer als österreichische Besonderheit, denn ÖWB Online hat entgegen der oben erwähnten neuen Deutung im Eintrag Dienstagabend das Beispiel wir kommen schon [nächsten] D. und das gedruckte ÖWB in der 43. Auflage sich Dienstagfrüh treffen. Hier kommt hinzu, dass Dienstagfrüh als in gesprochener Form klar erkennbares Substantiv im Gegensatz zu Dienstagabend praktisch nicht nachweisbar ist. Früh kommt in Österreich in den Wendungen in der Früh, in aller Früh und bis in die Früh vor, wird aber nicht so flexibel eingesetzt wie Morgen, so sagt man auch in Österreich eher nicht eine warme Früh (statt ein warmer Morgen) oder in der Dienstagfrüh (in Duden online steht denn auch „Substantiv ohne Artikel“!). Dafür gibt es früh als Adjektiv („Er kommt Dienstag, und zwar früh“, „Er kommt Dienstag früh“), während das kleingeschriebene abend vor der Reform auf die Verwendung mit einer Zeitangabe wie heute, neulich oder Dienstag beschränkt war. Duden online geht bei Dienstagfrüh von einer Hauptbetonung auf der ersten Silbe aus, aber ist das realistisch?

Im Zweifelsfälleduden heißt es wiederum, dass früh als einem Wochentag nachgetragenes Adjektiv nur getrennt geschrieben wird ([am] Dienstag früh). Im Duden-Ratgeber Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben heißt es: „Bei der Nennung eines Wochentages in Verbindung mit der zeitlichen Angabe früh schreibt man früh immer getrennt vom Wochentagsnamen[.]“ Als Beispiel folgt sogleich Dienstagfrüh. Aha. (In Einfach gute Texte schreiben passenderweise Dienstag früh.) -- IvanP (Diskussion) 18:39, 23. Sep. 2019 (MESZ)

Meine – allerdings ältere – Schulausgabe hat (nur) Dienstagabend. Alexander ist da besser bestückt. Was meint er? Ich würde Dienstagfrüh endbetonen. Mein Schulwörterbuch betont Dienstagabend auf der ersten Silbe, ich würde die dritte nehmen, wenn ich es „adverbiell“ (Dienstagabend war ich in der Oper) meine – ich wohne aber vielleicht auch schon zu lange in Deutschland. Wenn ich es als echtes Substantiv verwende (Der Dienstagabend in der Oper war schön), würde ich anfangsbetonen. Gruß, Peter -- 12:46, 18. Jun. 2017 (MESZ)
Im ÖWB (41. Auflage, Seite 156) wird „Dienstagabend“ auf der ersten Silbe betont. In Analogiebildung müsste daher „Dienstagfrüh“ gelten. Unter dem Stichwort „Dienstag“ steht zu lesen: „Zusammenschreibung mit Tageszeiten: - sich Dienstagfrüh treffen; aber getrennt: am Dienstag früh (zeitig) zu arbeiten beginnen“. Bei Getrenntschreibung würde lt. Muhr die Betonung [ˈdiːnstaːk ˈfʀyː] lauten. --Alexander Gamauf (Diskussion) 13:27, 18. Jun. 2017 (MESZ)
Ich werde halt den Eindruck nicht los, dass eine Analogie zu Dienstagabend herbeihalluziniert wurde. Abend gibt es nicht nur in *Dienstag abend (nach reformierter Rechtschreibung nicht so geschrieben), sondern auch klar als Substantiv („am Abend“), früh gibt es als Adjektiv, ein Substantiv Früh, aus dem sich ein Kompositum Dienstagfrüh formen ließe, gibt es in der Wendung „in der Früh“, andererseits kommt in der Dienstagfrüh fast nie vor. Wenn es um solch eine Rarität geht – OK! Aber laut Duden online ist Dienstagfrüh gerade ein Substantiv ohne Artikel. Ich hoffe, ihr versteht meine Skepsis.
Peter oder Alexander, wird Montag in Österreich eigentlich mit [ɔ] gesprochen? Das würde „Mọntagfrüh“ (Duden) erklären. -- IvanP (Diskussion) 16:01, 18. Jun. 2017 (MESZ)
Lt. Muhr und ÖWB wird in Montag nur [] gesprochen. Muhr gibt dies auch für die (professionellen) deutschen und Schweizer Sprecher an. --Alexander Gamauf (Diskussion) 16:11, 18. Jun. 2017 (MESZ)
BK: Ja, Du hast mit beidem recht und Recht. Ich kann am Dienstagabend ins Theater gehen, aber in der Dienstagfrüh Spiegeleier zu essen, widerstrebt mir. Ich würde allerdings Bundesdeutschen zutrauen, in der Dienstagfrühe einen Pfannkuchen zuzubereiten. Laut meiner Schulausgabe des ÖWB kann die erste Silbe des Montags kurz oder lang sein. Ich würde sie kurz sprechen, außer ich möchte den Wochenanfang ausdrücklich betonen. Gruß und Respekt vor Deiner Genauigkeit, Peter -- 16:15, 18. Jun. 2017 (MESZ)
@Alexander: In meiner Schulausgabe von 1997 sind noch zwei Punkte unter dem montäglichen o. Gruß in die alte Heimat, Peter -- 16:16, 18. Jun. 2017 (MESZ)
@Peter: Bei besseren Lichtverhältnissen habe ich im ÖWB (41. Auflage, Seite 441) ebenfalls „Mo̤ntag“ entdeckt. @IvanP: Also [ˈmɔntaːk] ist ebenfalls möglich. Grüße --Alexander Gamauf (Diskussion) 12:01, 19. Jun. 2017 (MESZ)
@Alexander: Danke fürs Nachschauen. Ich hatte auch eine Lupe zu Hilfe genommen. Gruß, Peter -- 18:00, 19. Jun. 2017 (MESZ)
Udo T., akzeptiert das ÖWB eigentlich die Schreibweise Dienstagabend bei Verwendung OHNE vorausgehendes Artikelwort oder dergleichen (zum Beispiel „sich Dienstagabend treffen“)? Laut Alexander kennt die 41. Auflage außerdem Dienstagfrüh, wie sieht es aktuell aus? -- IvanP (Diskussion) 17:08, 23. Sep. 2019 (MESZ)
Hallo IvanP, im ÖWB Online sind im Eintrag zu „Dienstagabend“ folgende Beispiele aufgeführt: „eines Dienstagabends, am D., jeden D., wir kommen schon [nächsten] D.“. Vielleicht hilft Dir das weiter? Das letzte Beisp. müsste ja in etwa Deinem entsprechen, oder? Gruß --Udo T. (Diskussion) 17:18, 23. Sep. 2019 (MESZ)
@Udo T.: Danke („wir kommen schon Dienstagabend“)! Aber kennt ÖWB Online aktuell auch Dienstagfrüh? -- IvanP (Diskussion) 17:21, 23. Sep. 2019 (MESZ)
@IvanP. Nein, gibt es dort nicht. Gruß --Udo T. (Diskussion) 17:37, 23. Sep. 2019 (MESZ)
@Udo T.: Entschuldige bitte, dass ich noch einmal nachhake (ich müsste mir das Werk mal anschaffen …), aber taucht Dienstagfrüh wirklich auch nicht unter dem Stichwort Dienstag (oder früh) auf? Alexander hat mir ja das hier geschrieben:
Unter dem Stichwort „Dienstag“ steht zu lesen: „Zusammenschreibung mit Tageszeiten: - sich Dienstagfrüh treffen; aber getrennt: am Dienstag früh (zeitig) zu arbeiten beginnen“.
Falls nein, gibt es da ein Beispiel der Art „sich Dienstag früh treffen“, geht das ÖWB mittlerweile also auch in so einem Fall von Getrenntschreibung aus? -- IvanP (Diskussion) 18:03, 23. Sep. 2019 (MESZ)
Hallo IvanP, im Online-ÖWB findet sich zu „Dienstagfrüh“ nichts. Aber im gedruckten Werk (43. Auflage) gibt es einen Infokasten und dort steht: „sich Dienstagfrüh treffen; aber getrennt: am Dienstag früh (zeitig) zu arbeiten beginnen“. Gruß --Udo T. (Diskussion) 18:32, 23. Sep. 2019 (MESZ)
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