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Allgemeine ÜberlegungenBearbeiten

  • Die Orthografie des Hochdeutschen ist mehrdeutig und inkonsequent:
    • die Kennzeichnung der Vokallänge (bzw. -kürze) hat sehr viele Varianten (z.B. bot und Boot für IPA [boːt], weg/Weg für IPA [vɛk/veːk])
    • ein Zeichen steht für mehrere Laute (z.B. v für IPA [f] und [v]), mehrere Zeichen für einen Laut (z.B. Schänke und Schenke für IPA [ˈʃɛŋkə])
  • Die einzige große Reform von 1903 diente der Vereinheitlichung, nicht der Vereinfachung
  • Die Vereinfachung sollte folgen, kam aber bis heute über geringfügige Ansätze nicht hinaus
  • Einer der Gründe für die Verhinderung ist das Streben der Autoren und Verlage nach "Bestandssicherung". (Von daher dürfte es eigentlich auch keine Hörbücher geben.)
  • In der weiteren Öffentlichkeit waren die neuen Regeln der Getrenntschreibung stärker umstritten als die (teilweise) Abschaffung von ß und ph.

Anforderungen an eine eindeutige, konsequente OrthografieBearbeiten

  1. Nur ein Zeichen für jeden Laut
  2. Die Länge eines Vokals wird durch dessen Zeichen ausgedrückt
  3. Das Schreiben erfolgt intuitiv, d.h. ohne Rücksicht auf die Herkunft, Etymologie und Flexionsweise der Wörter (Homonymie klärt sich meist aus dem Zusammenhang)
  4. Die Schreibweise gibt die (normierte) Aussprache wieder, ist aber trotzdem lesbar (ist keine Lautschrift)
  5. Eine gängige Computer-Tastatur (auch Notebook etc.) und ein einfacher (Freeware-)Editor reichen zum Tippen (d.h. man braucht maximal Akzent-Tasten und kaum mehr als den ASCII-Zeichensatz)
  6. Die Laut-Buchstaben-Beziehung ist zumindest mit verwandten Nachbarsprachen vergleichbar

Persönliche SchlussfolgerungenBearbeiten

  1. Obige Anforderungen sind schon auf einer Tabula rasa schwer alle gleichzeitig zu verwirklichen, geschweige denn bei einer bestehenden, streng normierten Schriftsprache in absehbarer Zeit zu verwirklichen
  2. Da die Orthografie des Hochdeutschen nicht nur nicht den obigen Anforderungen nicht entspricht, sondern sich zudem in den letzten 100 Jahren gegen Reformbemühungen ziemlich resistent erwiesen hat, ist als Vorbild für andere Sprachen/Dialekte denkbar ungeeignet
  3. Da das Hochdeutsche trotzdem in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz die dominierende Schriftsprache ist, sollte die Orthografie der auf dem Gebiet dieser Staaten gesprochenen eng verwandten Sprachen und Dialekte trotzdem nicht gänzlich anderen Prinzipien folgen (das gilt z.B. nicht für Sorbisch)
  4. Da es für das Nordniedersächsische (für das auch die – eigentlich allgemeinere – Bezeichnung "Plattdüütsch" verwendet wird, weil auch die Dialekte Hamburgs und Holsteins dazu gerechnet werden) schon eine Reihe von – meist von hochdeutschen Orthografie ausgehenden – Vorschlägen und sogar einen Quasi-Standard gibt (Sass’sche Schreibregeln, s. Plattdüütsche Orthographie in der plattdüütschen Wikipedia), beziehe ich meinen Vorschlag auf das Ostfälische, dessen Schreibung eigene Regeln erfordert (z.B. gibt zwei verschiedene lange A-Laute, so in ås’n 'verschwenderisch umgehen' und sik âs’n 'sich gruseln')
  5. Auch wenn dieser Vorschlag vergleichsweise radikal erscheint, habe ich dennoch einige Kompromisse gemacht, wie ch, s, ss, sch, w statt ġ, z, s, sh/š, v für IPA [ç, z, s, ʃ, v], gh statt ħ für IPA [x], überwiegend "deutsche" Umlautzeichen statt z.B. ø, y für IPA [œ, ʏ]. Diese und andere Kompromisse sind außer der Rücksicht auf vertraute Schriftbilder auch der leichteren Schreibbarkeit geschuldet, so können fast alle Zeichen über eine Standard-Computertastatur (mit deutschen Layout inklusive Akzenttasten) eingegeben werden, ein weiteres, å ist ein ASCII-Zeichen, das – wenn der verwendete Editor keine Tastaturkürzel ermöglicht – auch über Freeware-Tastaturtools relativ einfach eingegeben werden kann.
  6. Ausnahmen von diesen Regeln bilden ƀ, ğ für die "geriebenen" b und g (IPA [β, ɣ]), ă, ĕ für "reduzierte" a und e(IPA: [ɐ, ə]) und ȅ, ȍ, ȕ als Zeichen für 'lange' ä, ö und ü (IPA [ɛː, øː, yː]; sie schienen mir unvermeidlich, weil mir der bisher eingegangene Kompromiss – œ und y als 'kurze' ö und ü – doch zu "unansehnlich" und ä zu zweideutig erschien). Dies sind die einzigen nicht-ASCII-Zeichen, und auch diese Zeichen sind schon auf vielen Editoren verwendbar, zudem gibt es Tools, die ihre Eingabe sehr erleichtern (EUR-Deutsch, Keyman).
  7. Außer für Ostfälische lässt sich diese Orthografie auch zur Transkription anderer Dialekte/Sprachen verwenden, Zeichen für bisher nicht berücksichtigte Laute können ergänzt werden, z.B. in <Garâshĕ> für Garage, <Maljórka> für Mallorca.

Ostfälisch (Ôstfȅlsch): Vorschlag für eine eindeutigere, konsequentere OrthografieBearbeiten

Das Wichtigste im Überblick:Bearbeiten

Ostfälisch IPA Hochdeutsch
a [a] a (kurz)
â [] ah, aa, a (lang)
å [ɔː] — ("dunkles" a, lang)
ă [ɐ] -er (unbetont)
ƀ [β] — ("geriebenes" b)
ch [ç] (nur nach "hellen" Vokalen)
dj [] dsch
e [ɛ] e, ä (kurz)
ê [] eh, ee, e (lang)
ȅ [ɛː] äh, ä (lang)
ĕ [ə] -e (unbetont)
f [f] f, v (stimmlos)
gh [x] ch (nur nach "dunklen" Vokalen)
ğ [ɣ] — ("geriebenes" g)
i [ɪ] i (kurz)
î [] ie, ieh, i (lang)
kk [k] ck (nur zwischen Vokalen)
'm [] -en (unbetont, nach b und p)
'n [] -en (unbetont)
o [ɔ] o (kurz)
ô [] oh, oo, o (lang)
ö [œ] ö (kurz)
ȍ [øː] öh, ö (lang)
s [z] s (stimmhaft)
ss [s] ss, ß (stimmlos)
ṡṡ [z] — (stimmhaftes ss nach Kurzvokal)
ts [ts] z, tz
u [ʊ] u (kurz)
û [] uh, u (lang)
ü [ʏ] ü (kurz)
ȕ [] üh, ü (lang)
w [v] w, v (stimmhaft)

(Alle Vergleiche mit dem Hochdeutschen beziehen sich auf ähnliche Laute im Allgemeinen, jedoch nur am Rande auf deren eventuelles Vorkommen in etymologisch verwandten Wörtern.)

Groß- und KleinschreibungBearbeiten

Da alle Leser/Leserinnen des Ostfälischen tagtäglich mit der hochdeutschen Orthografie zu tun haben, sollen dessen Regeln bezüglich der Groß- und Kleinschreibung auch hier gelten (bis auch das Hochdeutsche sich internationalen Standards angepasst hat).

VokaleBearbeiten

  • a, e, i, o, u wie im Hochdeutschen, wenn kurz gesprochen (IPA: [a, ɛ, ɪ, ɔ, ʊ]), doppelte Konsonanten nur zur Verdeutlichung (wo die Schrifttradition sie unverzichtbar macht)
  • â, ê, î, ô, û wie hochdt. a, e, i, o, u, wenn lang gesprochen (IPA: [aː, eː, iː, oː, uː]), alle Dehnungszeichen (Verdoppelung, angehängtes h oder e) entfallen!
  • å für das "dunkle" (oder "dumpfe") a, wie in engl. all, dän. Stadt Ålborg (stets lang, IPA: [ɔː])
  • ă für unbetontes hochdt. er (nur in End- und Vorsilben wie in hochdt. weiter, ver-, IPA: [ɐ])
  • ĕ für unbetontes, kurzes e (Schwa, "Murmel-e" wie in hochdt. bitte, IPA: [ə])
  • ȅ für im Hochdeutschen lang gesprochenes ä (äh) (IPA: [ɛː]; für hochdeutsches kurzes ä stets e, IPA: [ɛ])
  • ȍ für im Hochdeutschen lang gesprochenes ö (öh) (IPA: [øː]
  • ö (ausschließlich) für im Hochdeutschen kurz gesprochenes ö (IPA: [œ])
  • ȕ für im Hochdeutschen lang gesprochenes ü (üh) (IPA: [yː]
  • ü ausschließlich für im Hochdeutschen kurz gesprochenes ü (IPA: [ʏ])
  • kein y, dafür je nach Aussprache ȕ oder ü.

DiphthongeBearbeiten

  • âi für hochdt. ei (eih), ai, jedoch mit längerem a (IPA: [aˑɪ̯]; das i kann auch "verloren gehen", es bleibt dann ein langes, "helles" â, z.B. im Ortsnamen Peine, ostfälisch Pâinĕ ~ Pânĕ)
  • au für hochdt. au (IPA: [aʊ̯])
  • für diphthongisches hochdt. ie, z.B. ostfäl. Familjĕ 'Familie' (IPA: [i̯ə])
  • oi für hochdt. eu, äu, oi (IPA: [ɔʏ̯])

Fast nur im calenbergisch-zentralostfälischen Zwielautungsgebiet kommen die folgenden Diphthonge (z.T. mit weiteren Varianten) vor:

  • ĕô (ăî), iû, ëî, ui (IPA: [ə̯iː ~ ɐ̯iː, ə̯oː, ı̯uː, uı̯]) für î, ô, û, ű im nördlichen und östlichen Ostfälisch

KonsonantenBearbeiten

  • b, d, f, g, h, j, k, l, m, n, p, r, s, t, w wie im Hochdeutschen, jedoch
    • kein ck, sondern kk, z.B. ostfäl. Bokk, Plural Bök∙kĕ 'Bock/Böcke'
    • auslautend (am Wortende) nur Zeichen für "stimmlose" Laute, also f, t, ch/gh für hochdt. b, d, g
  • ƀ für das "geriebene" b (IPA: [β], bilabialer w-Laut)
  • c nur in ch (aber ausschließlich für den Ich-Laut, IPA: [ç]) und sch
  • dj für das "harte" j z.B. in ostfäl. djî 'ihr' (IPA: [dʒ]).
  • gh für den Ach-Laut (IPA: [x])
  • ğ für das "geriebene" g (IPA: [ɣ])
  • -’m, -’n (entspr. hochdt. -en) für silbische m, n (IPA: [m̩, n̩]) nach b, p / d, t (bzw. [ŋ̍] nach g, k)
  • -m’n, -n’n stehen für hochdeutsch -men, -nen (IPA: [mm̩, nn̩]; für -ngen entsprechend -ng’n [ŋŋ̍])
  • ng, nk wie im Hochdeutschen (IPA: [ŋ, ŋk]) – letzteres auch im Auslaut für hochdt. ng
  • kein ph (z.B. in griech. Lehnwörtern), dafür stets f
  • kein q(u), dafür steht kw
  • sch wie im Hochdeutschen (IPA: [ʃ])
  • ṡṡ für stimmhaftes ss (IPA: [z]) nach Kurzvokal, z.B. ostfäl. duṡṡĕlich 'töricht'
  • kein ß, dafür steht ss
  • kein th in griech. Lehnwörtern, dafür steht t (z.B. in ostfäl. Aftêkĕ 'Apotheke')
  • kein v, dafür stehen je nach Aussprache f (IPA: [f]) oder w (IPA: [v])
  • kein x, dafür steht kschs kommt fast nur in Suffixen wie z.B. in ostfäl. wânichstë 'wenigste' und dergleichen vor und wird ch-s (IPA: [çs]) ausgesprochen.
  • kein z (und tz), dafür steht ts (kann nach anderen Konsonanten zu s verkürzt werden, also ostfäl. Prins für hochdt. Prinz)

BetonungBearbeiten

Wie im Hochdt. meist auf der ersten Silbe – außer bei den Vorsilben, z.B. ĕ-, fă- (for-) (entsprechen hochdt. 'ge-, ver-') – ansonsten auf dem ersten Langvokal, wie in Aftêkĕ [afˈteːkə] (in Ausnahmefällen wird ein betonter Kurzvokal durch Akut gekennzeichnet: á, é, í, ó, ú).

Beiträge, in denen diese Orthografie verwendet wirdBearbeiten

UliDolbargeDiskussion, 18.9.2006