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wes Brot ich ess, des Lied ich sing

wes Brot ich ess, des Lied ich sing (Deutsch)Bearbeiten

SprichwortBearbeiten

Nicht mehr gültige Schreibweisen:

wes Brot ich eß, des Lied ich sing
weß’ Brot ich eß’, deß’ Lied ich sing
weß Brot ich esse, deß Lied ich singe

Nebenformen:

wes Brot ich schlinge, des Lied ich singe[1]

Worttrennung:

wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Aussprache:

IPA: [ˈvɛs ˈbʁoːt ɪç ˈɛs dɛs ˈliːt ɪç ˈzɪŋ]
Hörbeispiele:   wes Brot ich ess, des Lied ich sing (Info)

Bedeutungen:

[1] ich muss die Interessen, den Standpunkt, die Ansichten desjenigen vertreten, bei dem ich in Lohn und Brot stehe, von dem ich also wirtschaftlich abhängig bin

Herkunft:

Diese Weisheit (häufig zitiert im Zusammenhang mit Diskussionen um Forschungsfreiheit oder Pressefreiheit) ist heute so aktuell wie vor Jahrhunderten.[2] Und so findet sich die zitierte Wendung bereits in verschiedenen Sprichwörtersammlungen des 16. Jahrhunderts und in den Schriften Martin Luthers.[2] Der Ursprung jedoch muss noch früher liegen, denn schon in den mittellateinischen Schriften des Egbert von Lüttich, entstanden 1022–1024, gibt es die lateinische Entsprechung cuius enim panem manduco, carmina canto → la[3].[2] Auch andere europäische Sprachen kennen diesen Spruch: Es gibt ihn etwa im Englischen (he who pays the piper calls the tune → en), im Französischen (celui louer devon de qui le pain mangeons → fr), im Italienischen (dammi pane, e dimmi cane → it) oder im Niederländischen (wiens brood men eet, diens woord men spreekt → nl).[2]

Synonyme:

[1] auf dessen Wagen man fährt, dessen Melodie man singt[1]
[1] welchem Herrn du dienst, dessen Kleider du trägst[1]
[1] wer mir Brot gibt, den nenn’ ich Vater[1]

Beispiele:

[1] Im Unternehmen wird absolute Loyalität nach außen verlangt, nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
[1] „Über die gute Tante äußerte er ſich nie. ‚Wes Brot ich eſſ’, des Lied ich ſing’‘, ſagte er einmal, ‚und wenn mir das Brot in der Kehle ſtecken bleibt, dann tut es das Lied erſt recht.‘“[4]
[1] „Das Salär eines Bundestagsabgeordneten, runde 15000 De-Emmchen monatlich, dürfte für die demokratische Wandlung ausreichen, denn wie heißt es doch im Hausschatz deutscher Volksweisheit so trefflich: ‚wes Brot ich eß, des Lied ich sing!‘.“[5]
[1] „Aber Zweckverbandsmann Oberhaus ist sich heute schon sicher, was bei der neuen Ökobilanz herauskommt. ‚Ist doch klar, wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’.‘“[6]
[1] „Oder überlässt es Parteichef Sigmar Gabriel, einen besonders fiesen Vorwurf zurückzuweisen: wes Brot ich ess, des Lied ich sing, werfen ihm politische Gegner vor.“[7]

ÜbersetzungenBearbeiten

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Redensarten-Index „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2002, ISBN 3-411-04112-9, Stichwort »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«, Seite 140.
[1] Werner Scholze-Stubenrecht, Anja Steinhauer: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und Gebrauch. Rund 7500 Zitate von der klassischen Antike bis zur Gegenwart. In: Dudenredaktion (Herausgeber): Der Duden in 12 Bänden. 3., überbearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2008, ISBN 978-3-411-04123-7, DNB 988709236, Stichwort »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«, Seite 595.

Quellen:

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 Emanuel Strauss (collector): Concise Dictionary of European Proverbs. Routledge, London/New York 1998, ISBN 0-415-16050-2, Seite 256, Nummer 1127 (Zitiert nach Google Books).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Werner Scholze-Stubenrecht, Anja Steinhauer: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und Gebrauch. Rund 7500 Zitate von der klassischen Antike bis zur Gegenwart. In: Dudenredaktion (Herausgeber): Der Duden in 12 Bänden. 3., überbearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2008, ISBN 978-3-411-04123-7, DNB 988709236, Stichwort »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«, Seite 595.
  3. Egbertus Leodiensis: Fecunda ratis. Folia 13r (Zitiert nach Digitalisat der CEEC der Universität Köln; Langkatalogisat: Köln, Dombibliothek, Codex 196).
    Dort in der Schreibweise „Cuıuſ enĩ panẽ manduco•carmına canto“.
  4. Hermann Sudermann: Das Bidlerbuch meiner Jugend. J. G. Cotta’ſche Buchhandlung, Stuttgart/Berlin 1922, Seite 79 (Zitiert nach Google Books; Autobiografie).
  5. Lutz Graf: Wes Brot ich eß… In: DAZ. Die Leipziger Andere Zeitung. Nummer 31, 30. August 1990, Seite 2.
  6. Klaus Wittmann: Bier bald in Plastikflaschen? In: Die Zeit. Nummer 14, 29. März 1996, ISSN 0044-2070 (DIE ZEIT-Archiv, abgerufen am 4. Juni 2017).
  7. KOPF DES TAGES: Der Provokateur. In: St. Galler Tagblatt. Nummer 230, 2. Oktober 2012, Seite 2.